15. „Plattdütske Aumed“

Meistens mit Oma und Opa geübt

Volles Haus beim 15. „Plattdütske Aumed“ im Heimathaus Hollager Hof

Bericht der Neuen Osnabrücker Zeitung vom 17.11.2010:

Wallenhorst. „Dat is noug!“, ruft es aus dem Publikum, denn es kann den großen „Wieser“ (Zeiger) der „Wächte“ (Waage) aus den 50er-Jahren gut verfolgen. „Een Pund Zucker“ soll Hannah (Sandmann) „inkaupen“ (einkaufen), und Rieke (Stallkamp) schüttet den Zucker aus der „Trecke“ (Schublade) in eine Spitztüte, die im eigens dafür an der Waage befestigten Ring aufrecht gehalten wird.

Die Plattdeutsche Gruppe im Heimathausverein hat ein Jahr lang Geschichten ausgesucht, selbst verfasst, Requisiten zusammengetragen und geprobt, um die Zuhörer im proppenvollen Heimathaus einen „Plattdütsken Aumed“ lang mit Spielszenen, Lesestücken und Liedern zu unterhalten. Die frühere Schulleiterin Leni Dierker hatte als „Anseggerin“ (Moderatorin) den „Afloup“ (Programmablauf) im Griff. Den ersten Teil des Abends stellte sie unter das Motto „Inkaupen fröiher un vandage“ (Einkaufen früher und heute).

Dazu hatte Siegfried Wulftange Original-Inventar aus dem Laden von Kaufmann Bartke am Küsterskamp zur Verfügung gestellt bekommen. Zwischen Schneidemaschine, Kaufmannswaage, „Bölkesgliäsern“ (Bonbongefäßen) und abwechselnd ratternder und klingelnder Registrierkasse stellten „de Bolger un ännere Kinner“ (Barlager und andere Kinder) von Dierker und Wulftange getextete Einkaufsszenen aus einer Zeit nach, in der es noch keine Scanner-Kassen gab. Individuell wurde abgewogen und verpackt, und wenn das Geld nicht reichte, angeschrieben. „Wicht, vogit däi Rabattmarken nich!“, rief die Mutter noch hinterher.


Viel Applaus erhielten die Kinder Jonas, Hannah, Konrad und Ole Sandmann, Sophia Wulftange, Sara und Rieke Stallkamp, Manuel und Markus Bockholt für ihr darstellendes Spiel und das flüssig vorgetragene Platt. „Meistens haben wir mit Oma und Opa geübt“, gibt Konrad preis. Die nämlich, Anna und Heinrich Sandmann, haben es noch etwas authentischer drauf als Vater Christian. Auf jeden Fall ist die Pflege des Plattdeutschen ein Projekt, das die Generationen verbindet.

Nach der Pause wurde „een Kierdel Buntet“ (ein Kessel Buntes) angerührt. Neben den bereits Erwähnten griffen Anni Pott, Agnes Kohstall, Erna Richter, Franz Menkhaus, Erika und Josef Kolde zum Mikrofon und „driäget wat vo“ (tragen etwas vor). Da ging es etwa um die nächtlichen Probleme eines Ehepaares: Er kann sich nicht umdrehen, weil sie immer auf seinem Schlafanzug liegt. In „Anton un de Fleegen“ wundert sich die Mutter, dass Anton die geklatschten Fliegen nach Geschlecht auseinanderhalten kann. Ganz einfach: Die männlichen saßen auf der Bierflasche, die weiblichen auf dem Spiegel. Das gemeinsame Singen unterstützte Hubert Hagedorn auf dem „Trekkebüdel“ (Ziehharmonika).