Boecker-Denkmal in Wallenhorst eingeweiht

In einer Feierstunde ist das Denkmal für den Hollager Pastor Aloys Boecker eröffnet worden. Mit dabei waren die Initiatoren des Vereins „Heimathauses Hollager Hof“, Vertreter der Gemeinde und die Sponsoren. Franz-Josef Landwehr (rechts) zeichnete das Leben des Geistlichen nach, Josef Pott (Zweiter von links) begrüßte als Vorsitzender die Gäste.

 

Hollager Pastor geehrt
In einer Feierstunde ist im Wallenhorster Ortsteil Hollage jetzt die Skulptur, die Pastor Aloys Boecker ein Denkmal setzt, an die Öffentlichkeit übergeben worden. Der Verein „Heimathaus Hollager Hof“ hatte die Idee zu diesem Projekt, mit dem die Erinnerung an den mutigen Geistlichen wachgehalten werden soll, der von 1936 bis zu seinem Tod 1941 in Hollage als Pastor wirkte.

Etwa 60 Menschen nahmen an der feierlichen Segnung teil. „Um heute ins Zuchthaus zu kommen, muss man nur die Wahrheit sagen“, ist einer der Sätze, die von Boecker überliefert sind. Er sagte ihn in einer Predigt im Jahr 1939, die Gestapo hörte damals mit.

Seine Statue steht in der Hollager Boeckerstraße, an der Südseite der Muttergottes-Kapelle auf einem Sockel aus Hollager Muschelkalk, dem Stein, aus dem auch die Kapelle und die Friedhofsmauer gebaut sind (NOZ vom 4.4.2014). Die Diplom-Bildhauerin Monika Hamann wählte als farbigen Kontrast roten Sandstein aus der Eifel. In ihrem Atelier in Vehrte holte sie die menschlichen Züge aus dem massiven Block heraus. „Als Vorlage dienten mir wenige alte Fotos. Ich habe versucht, das, was ich auf den Bildern in seinem Gesicht gesehen habe, herauszuarbeiten. Vor allem das gütige, verschmitzte Lächeln. „Dem Heimathaus Hollager Hof bin ich zu Dank verpflichtet für die professionelle Zusammenarbeit. Außerdem verlasse ich mich auf den Verein, dass die Person Aloys Boecker der Ehrung auch würdig ist.“

Der Historiker Franz-Josef Landwehr ist sich sicher, dass Aloys Boecker ein Denkmal verdient. Der Schriftführer des Vereins „Heimathaus“ forschte ausgiebig über den Geistlichen und zeichnete in seinem Vortrag über dessen Leben und Wirken auch Teile der Hollager Geschichte nach. Bischof Wilhelm Berning hatte Aloys Boecker nach Hollage geschickt, nachdem Boecker im Oktober 1935 in Heide/Holstein als Staatsfeind verhaftet worden war. In Hollage lebten fast ausschließlich Katholiken, die sich politisch der katholischen Zentrumspartei verbunden fühlten. Bei einer Volksbefragung 1934 stimmten reichsweit bereits 84 Prozent für „den Führer“, ebenso viele im Landkreis Osnabrück. Das Hollager Ergebnis lag bei knapp 41 Prozent, erzählte Landwehr. Sogar der britische Sender BBC habe damals über Hollage berichtet.

Bei seinen Recherchen sprach Landwehr auch mit Zeitzeugen, die sich heute noch gern an den Mann erinnern. Pastor Boecker habe eine natürliche Autorität besessen. „Was er sagte, galt“, sei ein Satz gewesen, den Historiker Landwehr öfter gehört hätte. Andererseits, auch das berichteten die Zeitzeugen, konnte Boecker richtig gut feiern. „Wo es beim Schützenfest am lautesten war, saß Boecker immer mittendrin.“
Landwehr konnte den Quellen auch entnehmen, dass Boecker tatsächlich geschützt wurde. Seine Gottesdienste waren immer gut besucht, es kamen auch viele Gäste aus den Nachbargemeinden. Trotzdem hätten die Hollager mögliche Spitzel stets entdecken können. Dann entschärfte Boecker seine Sonntagspredigten. Trotz seiner schlechten Erfahrungen sprach er über die Ermordung Behinderter als „lebensunwertes Leben“ und machte die Enzyklika Papst Pius XI. bekannt, in der auch die Gewalt gegen die Juden ein Thema war.

Aloys Boecker tat unter anderem viel für den Innenausbau der Kirche. Das Kreuz auf dem alten Hollager Friedhof hat er initiiert und teilweise auch finanziert – trotz des Kreuzverbotes von 1938. Aloys Boecker war schwer zuckerkrank, er starb am 21. September 1941 im Osnabrücker Marienhospital.

Der Vorsitzende des Vereins „Heimathaus Hollager Hof“, Josef Pott, dankte nicht nur der Künstlerin Monika Hamann, sondern auch den Sponsoren, ohne die die Umsetzung nicht möglich gewesen wäre. „Auch die Gemeinde Wallenhorst ist sehr behilflich gewesen, unter anderem bei der Suche nach dem richtigen Standort.“ Bürgermeister Ulrich Belde sagte dem Verein auch weiterhin die Unterstützung der Gemeinde zu. Gesegnet wurde die Skulptur vom evangelischen Pastor Hans-Georg Meyer-ten Thoren, sowie von Pfarrer Dietmar Schöneich von der katholischen Pfarreiengemeinschaft Wallenhorst.
(Quelle Noz, 13.10.2014)