Linde am Hollager Hof legt mehr als einen Meter zu

Exakt 34 Zentimeter Stammumfang messen (von links) Josef Pott, Dieter Barlag und Heinrich Maßbaum. Foto: Holtgrewe

Wallenhorst (gre)
Um wie viele Zentimeter ist die Linde vor dem Heimathaus Hollager Hof von 2003 bis 2005 gewachsen?
Zum dritten Mal lud der Heimatverein am vergangenen Freitag zur Vermessung ein und machte vorab für die rund 60 gut gelaunten Gäste im Schatten des Fachwerkgebäudes ein Schätzspiel daraus. Die Linde sei einst Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens gewesen, erklärte der Vorsitzende Josef Pott bei der Begrüßung und überließ den musikalischen Auftakt Chorleiter Jan Elster und der MGV Gemütlichkeit Hollage. Derweil berichtete Professor Hans Kohstall über die Winterlinde, die seit dem Mai 1998 als Hausbaum vorm Heimathaus steht.

„Die Winterlinde hat kleinere Blätter als die Sommerlinde und unter den Blättern kleine braune Barte. Bei der Sommerlinde sind die fast weiß“, erklärte der Baumfachmann und ehemalige Dozent an der Osnabrücker Fachhochschule. Sein Ausflug in Historie und Mythos: Bei den Germanen war die Linde der Liebes- und Friedensgöttin Freya gewidmet. Im Mittelalter wurde sie mit der Gottesmutter Maria in Verbindung gebracht.

Häufig dienten einzeln stehende Linden als Gerichtsbäume oder als Treffpunkte, an denen die Menschen tanzten. Als Hausbaum waren die bis zu 40 Meter hohen Gewächse beliebt, weil sie Schatten spendeten und dem Volksglauben zufolge vor Blitzeinschlägen schützten. Das Holz lässt sich gut schnitzen, Lindenblütenhonig gilt als schmackhaft, und Tee aus den duftenden Blüten bringt Linderung als Medizin gegen Erkältung. Den Bast legten sich Verletzte früher als Verband bei Brandwunden um, außerdem diente er als Rohstoff für Seile und Kleidung. Derartige Textilien trug die fröhliche Gesellschaft am vergangenen Freitag selbstredend nicht. Sie erwartete gespannt die aktuellen Vermessungswerte. Jeder hatte die Daten aus dem Jahr 2003 vorliegen: Höhe 5,30 Meter, Stammumfang in einem Meter Höhe 30 Zentimeter, Kronenweite 4 Meter. Wer hatte am besten geschätzt?

Mit Messlatte und Maßband ermittelten Josef Pott und Dieter Barlag eine Höhe von 6,40 Meter, einen Stammumfang von 34 Zentimetern und eine Kronenweite von 4,60 Meter. Nach Auswertung der Bögen stand fest, Heinrich Thöle lag am dichtesten dran, gefolgt von Marianne Lanwert und Marlies Brockmeyer. Derweil lagen bereits die ersten Würste auf dem Grill, und das gemütliche Beisammensein bis in die Nacht hinein begann.