Schätze ans Tageslicht geholt

Radtour durch Hollager Ortsteile

jod WALLENHORST
Als die Sonne das große Interesse der Hollager an ihrer Heimat sah, freute sie sich und begleitete sie treu den ganzen Tag. Franz-Josef Landwehr vom Arbeitskreis Hollager Ortsteile begrüßte an die 8O heimatkundlich interessierte Mitbürger mit ihren stramm aufgepumpten Fahrrädern auf dem Josefsplatz, bevor er dann die Rundfahrt durch die schönsten Winkel der Gemeinde anführte.

Die Ortsteile-Tour geht zurück auf die 750-Jahr-Feier im Jahr 2000. Die Idee fand so viel Anklang, dass sie seit dem Jahr für Jahr wiederholt wird. Wer befürchtet hatte, dass den Organisatoren bei der zwölften Auflage langsam die Themen ausgehen, sah sich getäuscht. Landwehr hatte wiederum interessante Stopps eingeplant, an denen er seinen bewährten Informations-Mix aus Geschichte, Gegenwart und Zukunftsplanung vortrug.

Historisches ließ er Am Pingelstrang lebendig werden. Der putzige Straßenname geht zurück auf den Schmied Gausmann, der bis etwa 1913 jeden Tag zum Piesberg fuhr, um die dort in großer Zahl eingesetzten Arbeitspferde zu beschlagen. Wenn er sein Tagwerk dort verrichtet hatte und nach Hollage zurückkehrte, machte er sich mit einem Pingelton bemerkbar. Er zog an einem Strick hinter dem Kutschbock. Damit löste er den Schlag eines Eisenrohrs gegen eine Glocke aus. Dies war das Zeichen für die Hollager, dass er wieder zurück war und sie nun mit ihren Pferden oder sonstigen Schmiedearbeiten zu ihm kommen konnten.

Westlich des Pingelstrangs ist das neue Baugebiet „Wellmanns Hügel“ ausgewiesen. Die Radler erfuhren, welche Erschließungsstraßen geplant sind, wo das neue Regenrückhaltebecken hinkommt und weshalb es notwendig ist. Landwehr ging auch auf die Lebensläufe der Widerständler unter der Nazi-Herrschaft ein, nach denen die Straßen im Baugebiet benannt werden sollen: Johannes Prassek, Georg Budke, Marcel Callo und Nikolaus Groß.

Bei einer weiteren Station kamen die Freunde alter Autos auf ihre Kosten. Ein privater Autosammler hatte sich bereit erklärt, der Gruppe seine sonst stets unter Verschluss gehaltenen Oldtimer vorzuführen. 30 automobile Schätze der Marken Ford, Citroen und Opel, die ältesten aus dem Jahr 1926, wurden ausgiebig bewundert und fotografiert.

Nach einer rund 15 Kilometer langen Fahrtstrecke fielen die Radler auf dem Hof Langkamp an der Fiesteler Straße ein. Der traditionelle Ausklang mit Grillgut und Getränken wurde diesmal von Tanzgruppen des Kolping-Karneval-Clubs begleitet. Die Kleinen traten als Pippi Langstrümpfe auf, die größeren in ihren Glitzerkostümen tanzten zu fetzigen Abba-Melodien.

Das bunte Bild noch farbiger machten die prächtig restaurierten Trecker, die hinter der Tanzfläche in Paradeaufstellung geparkt waren. Die Schlepperfreunde um Manfred Samorey und Leo Knochenwefel haben ihre umfangreiche Sammlung landwirtschaftlicher Großgeräte und historischer Haushaltsgegenstände seit zehn Jahren auf dem Hof Langkamp untergestellt. Ihre Zeugen der Vergangenheit führen hier eher ein Leben im Verborgenen. Hausherr Heinz Langkamp, die Schlepperfreunde und interessierte Radler diskutierten Möglichkeiten, die Sammlung künftig einer größeren Öffentlichkeit zu präsentieren.

Quelle: NOZ vom 6.9.2012