Schönes Wohnen auf schlechtem Boden

Wessels Straße in Lechtingen erinnert an den Hof Wessel

jod WALLENHORST.
Warum nicht zusammengeschrieben oder mit Bindestrich? Die Schreibweise „Wessels Straße“ ist für einen Straßennamen eher ungewöhnlich. Wahrscheinlich habe man sich in den 1960er-Jahren, als  die Bezeichnung vergeben worden sei, in der damals noch selbstständigen Gemeinde Lechtingen keine großen Gedanken darüber gemacht, vermutet der jetzt in der Gemeindeverwaltung für  Straßen- und Grundstücksangelegenheiten zuständige Franz-Joseph Hawighorst.

Fest stehe aber, dass die Wessels Straße genauso wie später in den 1990er-Jahren das Baugebiet „Wessels Hof“  den Namen von ebenjener  Hofstelle Wessel bekommen hat, die am südlichen Ende der Gertrud-Luckner-Straße  an der Einmündung zur Hellingstraße erhalten ist, wenn auch in modernisierter, zu Wohnzwecken umgebauter  Form. Die Hofstelle lässt sich über 450 Jahre zurückverfolgen.

In der Steuerliste 1566 taucht Markkötter „Wessel by dem Berge“ auf, wobei Wessel der Vorname ist und „by dem  Berge“ als Lagebezeichnung  auf den Piesberg verweist.  Markkötter lebten auf kleineren Anwesen (Kotten) und  mussten sich mit weniger ertragreichen Böden in der  „freien Mark“ zufriedengeben. Die besseren Böden lagen weiter östlich auf dem Esch, wo die Siedlung Lechtingen im Frühmittelalter ihren Ursprung nahm. Auf die Entwicklung der „Vollerbenhöfe“ östlich der heutigen B 68 hatten wir in den Straßenkunde-Beiträgen zum Lechtinger Kirchweg und zum Buchgarten hingewiesen.

Im 16. Jahrhundert setzten Markkötter den Ausbau der Siedlung Lechtingen in der sich nach Westen anschließenden Mark fort. Arent by dem Berge und Ludeke by dem Berge wurde Land nördlich des Piesbergs in der Flur “ In den weißen Mohre“ zugewiesen, wobei „Zum Weißen Moor“ uns heute wieder als Straßenname in Lechtingen begegnet. Der Hof Arent by dem Berge ging 1566 durch Erbgang oder Verkauf in den Besitz von Wessel by dem Berge über. 1628 lautete der Name Johann Wessell, 1665 Steffen Wessel. An dieser Abfolge wird deutlich, wie aus dem Vornamen Wessel der Hofes- und damit Nachname wurde.

Die Wessels Straße zweigt beim Kreisverkehr von der ehemaligen Oldenburger Landstraße, der jetzigen Osnabrücker Straße, ab und führt nach einem Bogen in  südlicher Richtung in das Markenland der alten Hofstelle Wessel. Der für den  Landwirt ursprünglich  grenzwertige Boden mit Sumpf und Heide kann den hier nach dem Krieg entstandenen Wohngebieten offensichtlich nichts anhaben.

Quelle:NOZ vom 14.11.2014