Steinbruch am Heimathaus Hollager Hof

 Vor rund 230 Millionen Jahren – also in der Muschelkalkzeit – entstanden hinter dem heutigen Heimathaus Hollager Hof Kalksteine.

In seinem Buch „Hollage – so wie es ist und war“ beschreibt Josef Pott die Entstehung der Kalksteinablagerungen wie folgt: „Die Kalksteine wurden in einem Nebenmeer, das fast ganz Nordwesteuropa bedeckte, abgelagert. Das Meer war flach, fiel zeitweilig am Rande trocken und hatte einen wattenmeerähnlichen Charakter. Über eine schmale Meeresenge im Südosten (Schlesische Pforte) bestand eine Verbindung zum Wattenmeer. Das Klima war subtropisch warm und trocken. Von der recht armen Tierwelt finden sich hier im Steinbruch schlecht erhaltene Reste von Muscheln, aber häufiger sind Auffüllungen U-förmiger Fressbauten nicht näher bekannter Bodenbewohner, die Rhizocorallium genannt werden. Die zunächst horizontal abgelagerten Kalke wurden am Ende der Kreidezeit verstellt und an die Erdoberfläche gehoben. Wind, Wasser und im Eiszeitalter das Inlandeis schufen die heutige Landschaftsform, indem sie die harten Gesteine als Höhenzüge herausmodellierten.“

Mit dem ehemaligen Steinbruch Hollage kümmerte man sich darum, diese Funde abzubauen. Die plattigen Kalksteine bildeten einen beliebten Baustein, sowohl für Mauern als auch für den Hausbau. So wurde beispielsweise die Pfarrkirche St. Josef aus diesem Kalkstein errichtet.

Von den aufgelassenen Steinbrüchen auf Wallenhorster Gebiet wurden einige ganz offiziell mit Müll verfüllt, um die Löcher in der Landschaft wieder zu schließen. Eine bewusste Ausnahme von dieser Praxis stellt der ehemalige Kalksteinbruch Middelberg südlich des Heimathauses an der Uhlandstraße dar. Er wurde zum Naturdenkmal erklärt, weil sich an seinen Steilwänden wunderschön die Geologie des Hollager Berges ablesen lässt.

Leider bekam auch dieses Naturdenkmal mit Müll zu tun. Die katholische Kirchengemeinde St. Josef, seit 1986 mit dem Nutzungsrecht des Steinbruchs als eine Freizeit- und Begegnungsstätte ausgestattet, hatte darin eine Schutzhütte, Kinderspielgeräte und einen Grillplatz errichtet. Nicht die angemeldeten Gruppen, sondern andere nächtliche Gäste hatten des Öfteren ihren Müll zurückgelassen, Tische und Bänke zerschlagen und die Hütte angesteckt.

Gleichzeitig ging die Zahl der offiziellen Nutzungen aus den Gruppierungen der Kirchengemeinde zurück, sodass sie zunehmend weniger Freude an der Sache hatte. Anfang des Jahres gab sie das Nutzungsrecht auf, „schweren Herzens“, wie der zweite Vorsitzende des Kirchenvorstandes Markus Otte schrieb. Die Kirchengemeinde wolle den Ort nicht für andere Interessenten blockieren, die ihn vielleicht intensiver nutzen könnten. Dabei erwähnte Otte den Verein Heimathaus Hollager Hof .

Das nicht ohne Grund, denn die Heimathaus-Freunde hatten schon immer eine Art Küsterfunktion für den Steinbruch. Sie führten das Benutzerbuch, hatten die Schlüsselgewalt über die Kfz-Schranke und sahen wegen der räumlichen Nähe immer mal nach dem Rechten. Als sich nun die Josefsgemeinde zurückzog, stand der Verein vor der Alternative, der zu erwartenden Verwilderung und zunehmenden Vermüllung vor der eigenen Haustür zuschauen zu müssen oder das Heft des Handelns selbst in die Hand zu nehmen.

Foto: Joachim Dierks

Der Vorstand entschied sich für Letzteres. Auf der Mitgliederversammlung im März ließ er sich das neue Projekt absegnen. Mit dem Eigentümer des Geländes, Thomas Stallkamp, einigte man sich schnell auf eine neue Nutzungsüberlassung. „Mir ist sehr daran gelegen, dass der Steinbruch als Naturdenkmal der Öffentlichkeit erhalten bleibt und sich jemand um die Pflege kümmert“, sagte er. Im Gegenzug für die ehrenamtliche Pflege braucht der Verein nichts für das Nutzungsrecht zu bezahlen.

„Im Wesentlichen soll alles so bleiben wie bisher“, sagte der Vereinsvorsitzende Josef Pott, „mit einem großen Unterschied: Grillen und offenes Feuer sind nicht mehr erlaubt.“ Die Erfahrung habe gezeigt, dass bei diesen Aktivitäten quasi wie ein Naturgesetz Müll liegen bleibe. „Einzelpersonen können den Steinbruch während der Tageslicht-Stunden unangemeldet aufsuchen“, ergänzte der zweite Vorsitzende Heinrich Maßbaum, „Gruppen melden sich bitte vorher bei uns an.“ Wie bislang auch schon, sind das Abbauen von Steinen und das Klettern in der Felswand nicht erlaubt, ebenso wenig das Abspielen von Musikanlagen, das Aufstellen von Zelten und das Übernachten. „Wir wollen einen sanften, schonenden Tourismus der Heimat- und Naturfreunde, die die einmalige Kulisse genießen wollen“, sagte Pott. Es biete sich an, den Besuch des Heimathauses, seines Bauerngartens und der Streuobstwiese mit einem Gang in den Steinbruch zu verbinden. Auch biete die Gästeführerin Maria Barz eine spezielle Steinbruch-Tour mit dem Titel „Ein Spaziergang auf dem Meeresboden“ an, zu buchen über das Rathaus.

Zur Sache: 235 Millionen Jahre haben die hellgrauen bis gelblichen Kalksteine auf dem Buckel, die im Hollager Berg bis dicht an die Oberfläche treten. Sie entstanden aus feinem Kalkschlamm, der sich am Grund eines Meeres absetzte, das damals weite Teile des heutigen Deutschlands überflutete.

Quelle: NOZ v. 04.07.2013