Aussichten am Holter Berg

Als wir uns vor Wochen für den heutigen Sonntag zu unserer letzten Sonntagswanderung verabredeten, wussten wir natürlich nicht, wie das Wetter werden würde. Es hätte schlimmer kommen können als 1° plus und ganz minimale Feuchtigkeit in der Luft. Der Chronist tippt auf Walter, Reinhard, Anneliese, Mechthild, Antje und Manuela als Mitwanderer und damit hat er den harten Kern exakt getroffen, der im ersten Tageslicht in die Autos mit dem Ziel Holte bei Bissendorf steigt. Um diese Jahreszeit ist frühes Aufstehen am Sonntag nicht der Normalfall, es sei denn, senile Bettflucht hätte schon mal probeweise Platz gegriffen. 

Nein, der Weg ist das Ziel und deshalb stellen wir die Autos am Holter Friedhof ab und erobern den 13 km langen TERRAvita-Rundweg um den Holter Berg.

Gut ist es, wenn warme Kleidungsstücke den wandernden Körper und Handschuhe die Finger schützen. Festes Wanderschuhwerk ist sowieso Pflicht, denn es wird ganz schön schlammig werden.

Die vorherrschenden aktuellen Farben in der Natur sind grau, hellgrau, graublau, dunkelgrau, blaugrau, hell- und dunkelbraun… kurzum, ziemlich herbstlich und ohne Unterstützung durch die Sonne. Manchmal sehen wir auch gelb blühenden Senf und magenta farbene Pfaffenhütchen; ein Lichtblick. Wir laufen uns warm und passen höllisch auf, nicht auf dem weichen Waldboden unter der dicken Laubschicht auszurutschen. 

Raureif liegt noch auf den Gräsern und in den geringfügig höheren Lagen sind die Pfützen noch von einer dünnen Eisschicht überzogen. Auf Asphalt ist es sogar richtig glatt. Der Rundweg führt uns ständig rauf und wieder runter und nach fast jedem langen Anstieg tut sich eine phantastische Aussicht auf das Umland auf. Schade, dass die Sicht nicht besser ist, aber auch so sind wir beeindruckt. Ein besonderer Blickfang ist kurz hinter Ausbergen ein Feld mit gut 2m hohem Elefantengras, welches mal eben kurz abgelichtet wird.

Außer unserer kleinen Gruppe sind um diese Zeit nur eine Handvoll Spaziergänger unterwegs, die meisten mit Hund. Bei den „Drei Brüder Steinen“ verweilen wir kurz, um uns über die tödlichen Streitigkeiten der Brüder wegen ihres väterlichen Erbes zu informieren. Ein kleiner, ehemals wohl bäuerlicher Steinbruch fällt uns in Auge, der den Blick auf steil geschichtete Sandsteinformationen freigibt. Wir fachsimpeln, ob hier die Eiszeit oder vulkanische Kräfte am Werk waren, können uns aber nicht einigen. Selbst Antje kann hier nicht abschließend liefern.

Zum Ende unserer Rundtour durchwandern wir einen merkwürdigen  Waldabschnitt, der sich bei näherem Betrachten als Holter Waldfriedhof entpuppt. Bestattungen in natürlicher Umgebung unter zuvor ausgesuchten alten Laubbäumen finden immer mehr Anhänger. Ehrfürchtig und interessiert schauen wir uns um.

Kurze Zeit später fallen wir in Holte in das Gasthaus Klefoth ein und stärken uns am leckeren, vorbestellten und gutbürgerlichen Mittagstisch. Hätte der Chronist gewusst, dass nach dem Essen ein kurzer, aber ziemlich steiler Anstieg zu den am Friedhof geparkten Autos auf ihn wartet, hätte er sicherlich einen Seniorenteller bestellt. Fazit: … war es doch kein Fehler, so früh aus den Federn zu kommen.

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