Ausstellung zur Geschichte Wallenhorsts in Hollage

Zur Ausstellungseröffnung präsentierten (von links) Bürgermeister Ulrich Belde, Ex-Landrat Manfred Hugo, Ex-Gemeindedirektor Hugo Pott, Josef Torbecke (Archivgruppe) und Heinrich Maßbaum (Heimat- und Kulturverein Hollager Hof) einen Rückblick auf 40 Jahre Gemeindegeschichte. Foto: Thomas Osterfeld. Lob vom Ex-Landrat Wallenhorst. „Liebesheiraten waren ja eher selten, als 1972 die Gebietsreform kam“. Der frühere Landrat Manfred Hugo bezog sich damit auf das verordnete Zusammenwachsen von Kommunen, die nicht zusammengehört hatten. Er nahm dabei seine Heimatgemeinde Bohmte genauso in den Blick wie Wallenhorst, zog aber das Fazit, dass in beiden Fällen etwas Gutes daraus geworden sei. Hugo sprach zur Eröffnung der Ausstellung „40 Jahre lebendige Gemeinde Wallenhorst“ im Heimathaus Hollager Hof.
In seiner Wahrnehmung treffe das Motto der Ausstellung von der „lebendigen Gemeinde Wallenhorst“ durchaus zu, sagte der Landrat außer Diensten. Die Einwohnerzahl hätte sich nach dem Zusammenschluss 1972 von rund 15000 auf rund 24000 erhöht. „Sicherlich gab es begünstigende Faktoren wie eine gewisse Stadtflucht hin zu den Umlandgemeinden mit günstigerem Bauland, oder die Welle der Spätaussiedler in den 1990er-Jahren. Aber dennoch, das alles geschieht ja nicht von selbst, die Gemeinde muss etwas dafür tun und Bebauungspläne aufstellen.“ Das sei in Wallenhorst gut gelöst worden, ebenso wie die weitsichtige Ausweisung von Gewerbegebieten. Hugo erinnerte an die gute Kooperation zwischen Landkreis und dem damaligen Gemeindedirektor Hugo Pott bei der Entwicklung der „Industrieschiene“. Bis heute stehe Wallenhorst auch dank der damaligen Aufbauarbeit wirtschaftlich relativ gut da.
 
In humorvoller Art lobte Hugo die Wallenhorster Entscheidungsträger auch für Dinge, die sie unterlassen haben. Es sei klug gewesen, auf den Bau eines eigenen Hallenbades zu verzichten. In Bohmte habe er sich seinerzeit als ehrenamtlicher Bürgermeister dafür stark gemacht, sei ganz stolz darauf gewesen und habe später erkennen müssen, was für fatale Folgekosten er damit ausgelöst habe. Auch Bohmtes damalige Bewerbung als Gymnasialstandort sei unsinnig gewesen. „Es musste doch jedem klar sein, dass wir im Altkreis Wittlage mit Gottes Hilfe mal gerade ein Gymnasium füllen können, und das ist das in Bad Essen geworden.“ Wallenhorst habe auch in dieser Hinsicht Fehler vermieden und sich richtigerweise auf die Realschule konzentriert.

Lebendige Kommune

Bei der Herfahrt nach Wallenhorst habe er sich erstmals auf sein neues Navi verlassen, berichtete Hugo, und habe dadurch Bekanntschaft mit ihm bis dato unbekannten Ecken von Wallenhorst gemacht. So sei er von dem Gewerkschafter Hans Böckler begrüßt worden, als er über dessen Straße geleitet wurde, und anschließend von Bischof Benno und Papst Pius. Und dann der Wechsel von Feldern, Wäldern und schmucken Wohngebieten. In all dem erkenne er Belege für die Vielfalt und Lebendigkeit der Gemeinde. Bürgermeister Ulrich Belde hörte all dies natürlich gern und bekannte, wie froh er sei, dass Hugo nicht das Thema Arkaden-Center und Grüne Wiese angeschnitten habe, denn darauf hätte er sich eine Erwiderung ja doch sehr sorgfältig überlegen müssen. Belde blickte zurück auf die 1150-Jahr-Feier der Gemeinde, die unter dem Motto „Zukunft braucht Herkunft“ die alten Ortsteile noch fester zusammengefügt habe. In die gleiche Richtung wirke die ehrenamtliche Archivgruppe, die seit 2004 mit großem Fleiß Zeitungsberichte, Chroniken, Fotos, Urkunden und Ähnliches aus Wallenhorsts Geschichte zusammentrage. Ihr sei für die Ausstellung zu danken. Der Landtagsabgeordnete Clemens Lammerskitten (CDU) betonte, dass das Land mit dem Osnabrück-Gesetz 1972 gute Arbeit geleistet habe. Die Empfehlungen für ausreichend große Gemeinden seien konsequent umgesetzt worden, sodass es seitdem keine weiteren Diskussionen um eine neue Gebietsreform gegeben habe – anders als in anderen Teilen Niedersachsens, wo damals nur halbherzig vorgegangen wurde. Für die Archivgruppe führte Josef Torbecke in die Ausstellung „40 Jahre lebendige Gemeinde“ ein, die er zusammen mit seinen acht Mitstreitern konzipiert hatte. In großformatigen Reproduktionen von Bildern und Zeitungsausschnitten werden darin der unruhige Anfang vor 40 Jahren und die folgenden Weiterentwicklungen auf allen Gebieten des Gemeindelebens nachgezeichnet. Die Ausstellung „40 Jahre lebendige Gemeinde Wallenhorst“ im Heimathaus Hollager Hof ist am 12., 13., 19. und 20. Oktober von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Zusatztermine für Gruppen oder Schulklassen nach Vereinbarung. Am Sonntag, 13. Oktober, hat gleichzeitig das Heimathaus-Café geöffnet. (NOZ, 12.10.2013)