Die Pielagestraße erinnert an Hollages ersten Pastor

Bernhard Pielage predigte 13 Jahre lang in der Josefskirche

jod WALLENHORST
Der ältere Teil des Hollager Friedhofs wird von drei Straßen gesäumt, die an die Anfangszeit der katholischen Kirchengemeinde St. Josef Hollage erinnern. Die Egbersstraße verweist auf den Vorsitzenden des Hollager Kirchbauvereins Bernhard Egbers, Boeckerstraße und Pielagestraße setzen den ersten beiden Pastoren der Josefskirche ein virtuelles Denkmal. Längs der Nordkante des mittlerweile kommunalen, aber anfangs kirchlichen Friedhofs verläuft die Pielagestraße.

Bernhard Pielage kam am 22. Juli 1881 in Limbergen, heute Ortsteil von Neuenkirchen bei Bramsche, zur Welt. Das Abitur bestand er 1904 in Meppen, woraufhin er in Münster Theologie studierte. Im März 1908 folgte die Priesterweihe im Dom zu Osnabrück. Als Vikar diente er bis 1913 auf Gut Eggermühlen bei Ankum, danach fünf Jahre in Neustadtgödens (heute Sande) mit der Sonderaufgabe, die Moorarbeiter im Strafgefangenenlager Wiesmoor seelsorgerisch zu betreuen. Von 1918 bis 1923 war er Kuratus und später Pfarradministrator in der noch jungen Rosenkranzkirche Osnabrück-Schinkel. Er machte sich „um den inneren und äußeren Ausbau der Gemeinde während seiner viereinhalbjährigen Amtszeit hoch verdient”, liest man in der Rosenkranz-Chronik.

Vielleicht waren es die Erfahrungen im Gemeindeaufbau, die Pielage beim Übergang von der Kuratiegemeinde zu einer selbstständigen Pfarrgemeinde in Schinkel-Ost machen konnte, die ihn nun auch geeignet erscheinen ließen, erster Seelsorger an der 1922 baulich fertiggestellten und 1923 kirchenamtlich verselbstständigten Josefskirche in Hollage zu werden. 13 Jahre lang, von 1923 bis 1936, predigte Pielage hier. Ihm oblag es zunächst, die Innenausstattung der neuen Kirche zu beschaffen. St. Josef konnte auf kein eigenes Vermögen zurückgreifen. Das gesamte Kirchenvermögen von St. Alexander wurde bei der Auspfarrung von Hollage nicht anteilig mitgegeben. Als bescheidene „Mitgift” stellte die Muttergemeinde lediglich einige Kirchenbänke, einen Notbeichtstuhl und Altarleuchter zur Verfügung. Alles andere musste über viele Jahre durch Spenden der Gemeindemitglieder finanziert und gleichzeitig auch der Bau des Friedhofs verkraftet werden.

Mit der Machtergreifung der NSDAP 1933 begann für alle Kirchengemeinden eine schwere Zeit. Viel geschrieben wurde bereits über das unerschrockene Auftreten von Pastor Aloys Boecker in Hollage ab 1936. Aber auch Bernhard Pielage hatte zwischen 1933 und 1936 seinen Anteil daran, dass die neuen Machthaber in Hollage wenig Rückhalt fanden. Bei der Führerwahl 1934 erhielt Adolf Hitler deutschlandweit 90 Prozent der Wählerstimmen, in Hollage jedoch nur 41,4 Prozent, womit Hollage im Regierungsbezirk einzigartig dastand. Die Kirche vor Ort und ihr Pastor werden einen großen Anteil an diesem Abstimmungsverhalten gehabt haben.

Von 1936 bis 1950 war Bernhard Pielage Pfarrer in Bersenbrück. Dort starb er am 8. Februar 1950.

von Joachim Dierks

Quelle: NOZ vom 10.7.2015