Die Schwalenbergs suchten ihr Glück in Baltimore

Schwalenbergstraße erinnert an bedeutenden Vollerbenhof

Wallenhorst
Seit Jahrhunderten führt die Schwalenbergstraße mitten durch den Wallenhorster Esch. Warum sie so heißt und was dieser Name an dieser Stelle bedeutet, das dürfte auch den meisten älteren Wallenhorstern unbekannt sein. Denn einen Hof dieses Namens gibt es nicht mehr. Auch im Wallenhorster Melderegister ist schon lange kein Schwalenberg mehr zu finden.

Wie meistens in solchen Fällen hilft ein Blick in die Ortschronik „1150 Jahre Wallenhorst“. Darin beschreibt der Siedlungsforscher Werner Delbanco, wie sich aus dem karolingischen Haupthof der im Jahr 851 ersterwähnten „Villa Wallonhorst“, dem Meierhof, mehrere kleinere Höfe abspalteten. Zu den älteren „Meierhof-Sprösslingen“ (Delbanco) gehören die Hofstellen Bedenbecker, Burmeister/Bauermeister und Brüggemann, alles Namen, mit denen man auch heute noch etwas anfangen kann, und zu den jüngeren unter anderen Schwalenberg. Delbanco nimmt als Entstehungszeit des Schwalenberghofes das späte Mittelalter an, also etwa den Zeitraum 14. bis 16. Jahrhundert.

Die Hofstelle des Vollerben Schwalenberg lag nördlich der Einmündung der Schwalenbergstraße in die Wallenhorster Straße „Im Alten Dorf“. Der geschichtsträchtige Meierhof lag unmittelbar nebenan, die Alte Alexanderkirche kaum weiter entfernt.

Der Historiker Franz-Joseph Hawighorst hat ermittelt, dass Johann Dietrich Theodor Schwalenberg der letzte Hofbesitzer dieses Namens war. Er starb 1849 im Alter von 61 Jahren. Seine Witwe, sein erbberechtigter Sohn Stephan Schwalenberg und drei weitere Kinder verließen im Januar 1851 Wallenhorst, sie wanderten in die USA nach Baltimore aus. Der Hof war noch nicht abgelöst. Baron Ostman von der Leye als Grundherr ließ den Hof im August 1885 versteigern. Meistbietender war der Wallenhorster „Colon und Wirth“ Bockholt, geborener Bitter.

Dessen Sohn Heinrich Bitter war bis zu seinem Tode 1945 Eigentümer des Schwalenberghofes. Bewirtschaftet wurde der Hof zunächst viele Jahre durch dessen Schwiegervater Franz Heinrich Sudowe. Anschließend war im 20. Jahrhundert der Hof verpachtet. Letzter Pächter war bis zum Beginn der 1970er-Jahre die Familie Kemme. Das Pachtverhältnis endete, als das stattliche Hofgebäude in den 1970ern bei einem Brand vollständig vernichtet wurde. Einige Jahre zuvor hatten die Erben Bitter in den 1960ern auf dem Hofgelände ein neues Wohnhaus errichtet. Es hat den Brand überdauert und dient uns heute als Markierungspunkt der alten Hofstelle Schwalenberg. Bis heute leben die Nachfahren der Familie Bitter in dem Haus Im Alten Dorf 13.

von Joachim Dierks

Quelle: NOZ vom 12.2.2016