Die Straße Nettkamp in Alt-Wallenhorst verweist auf ein Feuchtgebiet

Altes Dorf war dicht am Wasser gebaut

jod   WALLENHORST
Der Nettkamp ist ein kleiner asphaltierter Weg, der von der Straße „Im Alten Dorf” in Alt-Wallenhorst abzweigt und Richtung Norden bis zum Hof Wulf führt. Er ist vor allem Wanderern vertraut, die vom Alten Dorf in Richtung Hammweg, Vossberg und Schleptrup unterwegs sind.

Der Name Nettkamp könnte zu der Annahme verleiten, dass das Flüsschen Nette Namensgeber ist. Dies wäre jedoch ein Trugschluss, die Nette ist kilometerweit entfernt. Beim Namensforscher Theodor Baader kann man nachlesen, dass „nette”, ein alter Name für Wasser, wahrscheinlich illyrischer Herkunft ist. Der Flussname „Nette”, in Ostdeutschland in der Lautform „Netze”, geht auf den gleichen Ursprung zurück.

Feuchtgebiet

Der Nettkamp kreuzt auf seinem Weg Richtung Norden den Strothbach (siehe unseren Beitrag zum Straßennamen „In der Stroth”), der nordöstlich des Meyerhofes und der Alten Kirche seine Quelle hat. Der Bereich um die Kirche herum war seit Jahrhunderten ein Feuchtgebiet. Unsere Vorfahren nannten daher die Straße von der Kirche bis zum Kreuzungspunkt mit dem Heerweg und den Kirchwegen aus Hollage „Nettstrauden” (heute: „Im Alten Dorf”). Denn als „nett”, also feucht, hatten sie die Straße schon seit Jahrhunderten erlebt.

Einen – urkundlichen Nachweis für die alte Bezeichnung hat der Historiker Franz-Joseph Hawighorst in einer Denkschrift aus dem Jahr 1853 entdeckt,in der der Kirchenvorstand die Notwendigkeit eines Kirchenneubaus begründete: „Dass daher infolge dieses niedrigen Terrains die Wege in der Nähe der Kirche zu den schlechtesten im ganzen Kirchspiel gehören, sodass man in den nassen Jahreszeiten förmlich durch Wasser und Schlamm wie gleichsam in Wasserrinnen, beispielshalber von der Nettstrate bis zum Kirchhof und vom Brüggemannschen Colonate bis zum Kirchhofe, waten muß, wird jeder eingestehen, der die Kirche während des Winters oder sonst nasser Jahreszeiten auch nur einmal besucht hat.”

Hofstelle verschwunden

 Als Wallenhorst die offiziellen Straßennamen ein führte und in dem Zuge die alte „Nettstrate” zu „Im Alten Dorf” wurde, behielt wenigstens der abzweigende Wirtschaftsweg den Namensbestandteil „Nett-“. Der Name „Nettkamp” hat auch insofern seine Berechtigung, als das Flurstück im Eck beider Straßen auf alten Karten die gleiche Bezeichnung trägt.

Wo sich die Hollager Kirchwege und die alte Nettstraße trafen, war schon seit Jahrhunderten der Markkötter „Nettsträter” an gesiedelt, der wie viele Markkötter seinen Namen aus der Örtlichkeit erhalten hatte. Die alte Hofstelle der Nettsträters sucht man heute jedoch vergebens. Dort, wo sie ursprünglich mit einem Backhaus stand, rollt heute vierspurig der Verkehr auf der B 68. Zuvor war hier einmal die Gaststätte Dorenkamp, an die sich ältere Wallenhorster noch erinnern werden.

von Joachim Dierks

Quelle: NOZ vom 3.7.2015