Die Straßen Hörnschen Knapp und Hörnschen Hof halten die Erinnerung wach

Jeder Träger des Namens Hörnschemeyer hat einen Vorfahren, dessen Wiege auf dem Hörnschen Hof in Wallenhorst stand.  Foto: Joachim Dierks

Die Wiege aller Hörnschemeyers steht in Wallenhorst

Wallenhorst
Manche Familiennamen wie Hawighorst, Kohlbrecher oder Langemeyer füllen im Telefonbuch von Wallenhorst ganze Spalten. Spitzenreiter sind aber wohl die Hörnschemeyers. Dabei findet man nicht nur in Wallenhorst und umzu, sondern deutschlandweit, ja weltweit Träger dieses Namens. Jeder hat einen Urahn, dessen Wiege auf dem Hörnschen Hof in Wallenhorst stand.

Die Hofstelle liegt im Norden der alten Gemeinde Wallenhorst auf dem Hörnschen Knapp, einer Anhöhe an der Grenze zum Bramscher Ortsteil Pente. Wenn man weiter nach Norden fährt, folgt der Höhenzug Penter Knapp. „Knapp“ wird in Wörterbüchern als „eine steile, aber nicht lange anhaltende Höhe im Weg“ bezeichnet. Georg von der Haar, der die Geschichte des Hofes und der Hofesfamilie Hörnschemeyer erforscht und 1971 in Buchform herausgegeben hat, stellt als älteste bekannte Namensform des Hörnschemeyer–Hofes Ende des 12. Jahrhunderts die Bezeichnung „de hornesche hove“ fest. Hierin liegt das Wort „horn“, dass auf die äußerliche Form dieses langgestreckten, schmalen und spitz zulaufenden Höhenzuges hindeutet.

Wassermühle war ein Flop

Der Hörnschen Hof, der vermutlich schon vor 1000 Jahren existierte, war ursprünglich der größte Wallenhorster Hof mit Ländereien beiderseits der Chaussee nach Bramsche und auch im angrenzenden Pente. Der erste urkundlich erwähnte Hofbesitzer war 1565 ein Sander Hörnschemeyer, der letzte aus dieser Familie August Mathias Hörnschemeyer (1868 – 1918). Der kommt in den Annalen nicht besonders gut weg. Ihm fehlte das Gespür für gutes Wirtschaften, heißt es, die von ihm errichtete Wassermühle war ein Flop, er ging lieber zur Jagd als hinter dem Pflug und kleidete sich gern vornehm. Unvorsichtigerweise bürgte August für einen Jagdfreund mit einem hohen Betrag. Als der kurz darauf pleite ging, rückten die Gläubiger auch dem Hörnschen Hof auf den Pelz und trieben ihn 1912 in die Insolvenz. 77 Hektar Land wurden aufgeteilt und an 27 Interessenten veräußert. Die Hofstelle selbst ging an die Familien Stallkamp und Brockmeyer. Aus der Familie Stallkamp hat es der Geflügelzüchter Hans Stallkamp, Kennzeichen rote Socken, zu einiger Bekanntheit gebracht, da er 50 Jahre lang als CDU-Ratsmitglied der Gemeinde ehrenamtlich diente.

Höhen und Tiefen

Auch vor den roten Socken ging es bunt auf dem Hörnschen Hof zu, bunt wie das Leben nun einmal ist. Von Höhen und Tiefen in der Generationenabfolge, von weitsichtigen Hofherren und eher glücklosen, von Brandkatastrophen und einem Hofesspross als Wurstfabrikant in den USA erzählt Franz-Joseph Hawighorst im neuesten, dem dritten Band der „Wallenhorster Geschichten“, die als treffliches Weihnachtsgeschenk in den örtlichen Buchhandlungen erhältlich sind.

von Joachim Dierks

Quelle: NOZ vom 25.11.2016