Dornengestrüpp als Schutzwall

Mittelalterliche Flurbezeichnungen jod WALLENHORST Die Ortsbezeichnung „Dornte” taucht gleich zweimal auf Wallenhorster Straßenschildern auf, und zwar unabhängig voneinander Im Ortsteil Hollage gibt es den „Dörnter Weg” und in Alt-Wallenhorst „An der Dornte”. Der enthaltene Wortstamm „Dorn” bringt uns auf die richtige Spur: Dören oder Dörnte darf man als einen sehr alten Namen für einen befestigten Fluchthügel verstehen, der von einem undurchdringlichen Dornengestrüpp als Schutzwall umgeben ist. Das „Gedörn” schirmte Mensch und Vieh gegen Feinde und wilde Tiere ab. So jedenfalls erklärt der Namenskundler Theodor Baader in der Festschrift zur 1100-Jahr-Feier des Kirchspiels Wallenhorst 1951 die Dörnte. Er stellt sie damit in eine Reihe mit vielen anderen, größenteils auch auf Straßenschildern aufbewahrten Bezeichnungen alter Befestigungssysteme wie etwa auf „-horst”, „-lage”, „-wall” und „-burg”. Dem germanischen Namen Dörnte entsprechen im romanischen Sprachraum, wie Baader weiter ausführt, solche Ortsnamen, die sich aus dem lateinischen „spina” für „Dorn” oder „spinetum” für „Dornhecke” herleiten. So ergebe sich eine geschichtliche Gemeinsamkeit mit französischen Städten wie Epinal oder Epinay. Aus heutiger Sicht könnte man den Gedanken anfügen, dass hierin doch ein idealer Aufhänger für eine neue Städtepartnerschaft liegen könnte, Frankreich haben wir schließlich noch nicht. Dann bekäme auch der Eiffelturm im Hollager Kreisverkehr seinen tieferen Sinn. Doch zurück zur ernsthaften Erkundung der Wallenhorster Flurbezeichnungen. Die Wallenhorster Dörnte liegt mit Baaders Worten „am Nordwestrand der Gemarkung Bauerschaft Wallenhorst” und stellte eine größere Ackerfläche in der freien Mark dar, auf einer kleinen Anhöhe gelegen und von dichtem Buschwerk gesäumt. Die Vermessungsunterlagen des Kartografen Du Plat aus dem Jahr 1790 enthalten die Bezeichnung „Auf der Dörnte”. Zur Hälfte befindet sich diese Dörnte jetzt im Gewerbegebiet an der Ringstraße, zur anderen Hälfte im Wohnbaugebiet Berliner Straße/Chaiiottenburger Straße. Die Straße „An der Dornte” entlang der alten Gemeindegrenze zwischen Wallenhorst und Hollage grenzt nicht unmittelbar an diese Dörnte, sie war hier aber in Sichtweite. Teil der Landwehr Die Hollager Dornte wird, wie der Siedlungsforscher Werner Delbanco in der Ortschronik feststellt, erstmals im Jahr 1341 als „Dornethe” schriftlich erwähnt. Dornethe oder Dornte bestand aus den Höfen Klumpe und Trame und der Dörenburg, die alle in unmittelbarer Nachbarschaft zur Haseniederung gegründet wurden. In den Kartenwerken von Du Plat werden die an diese Höfe westlich angrenzenden Gebiete als „Dörener Masch” und „Dörener Wiesen” bezeichnet. Dort, wo die Dörener Masch und die Dörener Wiesen aneinandergrenzen, steht seit 1397 die Dörenbürg, die Teil der Landwehr war, mit der sich die Osnabrücker Bürger entlang der Hase gegen die Überfälle des Grafen von Tecklenburg schützten. Nachkomme der Dörenburg ist das Herrenhaus, das heute die Fläche am Westufer des Kanals und an der Straße nach Halen einnimmt. Im Kartenwerk Du Plats ist zwischen den Höfen Trame und Klumpe eine Fläche dargestellt, die von Buschwerk umgeben ist. Nach Ansicht des Historikers Franz-Joseph Hawighorst könnte dies der Ort sein, der der Dörnte ihren Namen gab. In der Örtlichkeit ist diese Dörnte heute nicht mehr erkennbar. Der im vorigen Jahrhundert erbaute Stichkanal und die Hollager Straße, die hier wegen der Kanalbrücke höher gelegt ist, haben die Landschaft erheblich verändert. Dass die Dörnte bei den nahe beieinanderliegenden Höfen Klumpe und Trame zu finden ist, lässt sich auch aus dem bischöflichen Lehnsregister ableiten, in dem 1455 einer der beiden Höfe als „dat erve tor Dorneborch” bezeichnet ist. von Joachim Dierks Quelle: NOZ vom 20.8.2014