Hasebrücke ging zweimal zu Bruch

RUND UM OSNABRUCK                                                Samstag, 06. Oktober 2018

VERSCHWUNDENE 0RTE  Eine Brücke über das Flüsschen Hase verband einst die Domstadt Osnabrück mit Fürstenau –  Störche zogen einst Nachwuchs auf Hof Niehaus hoch

Nichts erinnert mehr an den einst bedeutenden Flussübergang beim Hof Niehaus in der Barlage

Hollages nordwestlicher Ortsteil Barlage ist heutzutage nur über eine Sackgasse zu erreichen, nämlich die Straße „ln der Barlage”. Das war nicht immer so. Bis 1841 gab es beim Hof Niehaus eine Brücke über die Hase, sodass man diesen ursprünglichen „Fürstenauer Weg“ weiter bis Fürstenau verfolgen konnte. Hochwasser mit Eisgang zerstörte die Brücke. Sie wurde wegen veränderter Verkehrsströme nicht wieder aufgebaut.

Von Joachim Dierks

WALLENHORST  

Die alte Hansestadt Fürstenau steht in einer besonderen Beziehung zum Osnabrücker Land, seitdem der Osnabrücker Fürstbischof Gottfried von Arnsberg 1344 dort eine Festung errichten ließ, um seinen Anspruch auf dieses Gebiet gegen die Grafschaft Tecklenburg durchzusetzen. Die Festung wurde zu einem Schloss ausgebaut und diente den Fürstbischöfen als Residenz. Entsprechend wichtig war der „Fürstenauer Weg“, der den Osnabrücker Dombezirk mit diesem bischöflichen „zweiten Wohnsitz“ in Fürstenau verband. Über den amtlichen Verkehr innerhalb des Hochstifts hinaus war die Straße nach Fürstenau eine wichtige Heer- und Handelsstraße.

Hier ungefähr muss die Brücke gestanden haben. Das besagen jedenfalls die alten Karten, die Landwirt Albert Niehaus (links) und Historiker Franz-Joseph Hawighorst  zurate ziehen.  Foto:  Joachim Dierks

Günter Schotte weist in einem Aufsatz im Heimatjahrbuch 1974 darauf hin, dass praktisch der gesamte Warenverkehr zwischen Holland und den deutschen Landen über Osnabrück lief. Der Warenaustausch mit den nördlichen Niederlanden ging teils über Westerkappeln, Recke und Lingen, zu einem großen Teil aber auch über Fürstenau, Haselünne und Meppen. Der alte Fürstenauer Weg verlief westlich der Hase durch die Tecklenburger Herrschaft. Im Jahr 1601 ließ Graf Arnold von Tecklenburg in Wersen eine Zollstelle einrichten, um von dem regen Handelsverkehr zwischen Holland und Osnabrück zu profitieren.

Die Osnabrücker protestierten, aber vergeblich. So erschien es schließlich als das kleinere Übel, einen neuen Fürstenauer Weg weiter östlich über den Piesberg und den Hollager Berg zu trassieren, der auf Osnabrücker Gebiet blieb. Den Bau der Brücke „über den Hasestrohm nahe bey des Closters Malgarden Eigenbehörigen Niehueß Hause“ verfügte der Landesherr. Fürstbischof Ernst August II. im Jahr 1718. Die Frachtwagen mussten danach nicht mehr vor tecklenburgischen Schlagbäumen haltmachen und einen Obolus entrichten. Der heutige Verlauf des Fürstenauer Wegs war damit festgelegt. Allerdings nur bis zur Barlager Kanalbrücke. Hier schwenkt der Fürstenauer Weg heute erst nach Norden, dann nach Osten und geht in die Hansastraße über. Die ursprüngliche Führung dieser Straße brauchte auf den Kanal keine Rücksicht zu nehmen, weil es ihn noch nicht gab.

Bevor der 1915 fertiggestellte Zweigkanal viele Wegeverbindungen im Westen von Hollage zerschnitt, führte der Fürstenauer Weg in einer geraden Strecke in die Barlage hinein, so wie heute die Straße „In der Barlage“, und überquerte beim Hof Niehaus die Hase. Bei einer großen Flut mit starkem Eisgang wurde die Brücke im Jahr 1774 zerstört. Man baute schnell eine neue, aber die erlitt 184-1 das gleiche Schicksal. Inzwischen hatten sich die Verkehrsströme so verlagert, dass man einen Wiederaufbau für nicht mehr lohnenswert hielt. Damit war der alte Handelsweg nach Fürstenau unterbrochen und zu einer Sackgasse geworden. Der nordwestlichste Hollager Ortsteil Barlage ist nun quasi eine Insel zwischen Hase und Kanal mit einem einzigen Zugang von Süden.

Um wieder einen Nordausgang zu schaffen, würde es nicht reichen, eine neue Brücke zu errichten. Denn auf dem Hof Niehaus entstand 1861 ein neues Gebäude mit Wohn- und Wirtschaftsteil genau auf der alten Trasse des Fürstenauer Weges. Heute bewirtschaftet Albert Niehaus (Jahrgang 1955) den Hof. Er kann interessierte Besucher zu der Stelle führen, wo die Brücke einst stand wenn sie geländegängiges Schuhwerk tragen und keine Angst vor Brennnesseln und Distelgestrüpp haben. Von der Brücke sind keine Überreste vorhanden. Auch der Wegeverlauf auf dem jenseitigen Ufer in Richtung Vinte ist längst überpflügt. Der Mais schert sich nicht um die einst große Bedeutung des Weges nach Fürstenau.

Diese Serie führt uns zu verschwundenen Orten in der Großgemeinde Wallenhorst. die einst bedeutend waren. über die die Zeit aber hinweggegangen ist. Teils sind trotz Verfalls oder Abbruchs noch Spuren aufzufinden. teils hat eine Neubebauung nichts als die Erinnerung bei älteren Mitbürgern übrig gelassen.

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung v. 06.10.2018