Hollager Heimatfreunde empört über Maschwegbrücken-Denkmal

Rostig, aber schön: das Originalgeländer mit Jugendstil-Zierelementen an der Maschwegbrücke vor dem Abriss. Archiv-Foto: Joachim Dierks Reichlich unsensibel finden Hollager Heimatfreunde das Vorgehen der Kanalbauverwaltung, die ein modernes Aluminiumgeländer in das Brückendenkmal einfügte. Foto: Dierks Wallenhorst. Wenn einer geglaubt hat, das Thema Maschwegbrücke sei nach mehr als zehn Jahren politischen Gezerres endgültig passé, dann irrt der sich gewaltig. Neuer Streitpunkt: Das als Denkmal erhaltene alte Brückenportal wird nach dem Willen der Kanalverwaltung jetzt von einem banal-modernen Aluminiumgeländer abgeschlossen. Heimatfreunde fordern die Rückkehr des Originalgeländers mit Jugendstil-Zierstäben. Vor einem Jahr ging die Brücke Nr. 75, im Volksmund als Maschwegbrücke bezeichnet, den gleichen Weg wie die übrigen sieben Brücken über den Stichkanal zuvor auch: Sie wurde demontiert und verschrottet. Denn sie stand dem Ausbau des Kanals auf neue Breite und Durchfahrthöhe im Weg. Im Gegensatz zu allen anderen Brücken gab es jedoch für die alte Maschwegbrücke keinen Neubauersatz, weil der nach Ansicht der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) wegen zu geringen Verkehrs unwirtschaftlich wäre. Das sah die Gemeinde anders und kämpfte gegen den ersatzlosen Fortfall bis zum Oberverwaltungsgericht an. Letztlich zog sie den Kürzeren. Die letzte Stahl-Fachwerk-Bogenkonstruktion aus der Entstehungszeit des Kanals 1910 bis 1915 verschwand im vergangenen Sommer. Quasi als Trostpflaster willigte die WSV ein, auf dem östlichen, nicht von der Verbreiterung betroffenen Ufer das alte Widerlager samt Brüstungsportal aus Sandstein stehen zu lassen. Der Brückenansatz sollte als Reminiszenz dienen an das, was hier einmal war: ein landschaftsprägendes Baudenkmal der Technikgeschichte, das seinen Reiz gerade aus der Verbindung von genieteter Stahlkonstruktion, Sandsteinportalen und Blaubasaltpflaster empfing. Viele Hollager trauten ihren Augen nicht, als sie nach Abschluss der Bauarbeiten nun sehen mussten, was aus dem Brücken-Stummel geworden war: Zwischen den alten Sandsteinbrüstungen war ein gesichtsloses Alugeländer montiert, wie man es an jeder modernen Autobahnbrücke findet. „Wir waren entsetzt, als wir das sahen“, gibt Josef Pott die Meinung vieler Mitbürger wieder, „Ziel der Sache war doch gerade, die individuelle und sorgfältige Gestaltung der Stahlgeländer mit den Schnecken und Rosetten als Schmuckelementen zu bewahren. Jede Brücke zeigte ein anderes Ornament.“ Der Vorsitzende des Vereins Heimathaus Hollager Hof hat die WSV angeschrieben und gebeten, „diesen Missstand unter dem Vorzeichen der Heimatpflege zu beseitigen.“ Der Antwortbrief des Neubauamtes für den Kanalausbau fiel ernüchternd aus. Darin schreibt Bauleiter Bert Dieme, dass die Maßnahme abgeschlossen sei und „von meiner Seite keine zusätzlichen Arbeiten am Brückenwiderlager ausgeführt werden können“. Die Errichtung des Geländers sei nach technischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten wie im Planfeststellungsbeschluss vorgegeben ausgeführt worden. Weiter heißt es: „Von Ihrem Verein ist leider im Vorfeld oder während der Bauarbeiten niemand auf mich zugekommen und hat etwaige Gestaltungswünsche vorgetragen.“ Dazu Josef Pott: „Wir rennen doch nicht jeden Tag zur Baustelle und überprüfen, ob die auch alles richtig machen.“ Schließlich habe die WSV bei dem zuvor denkmalmäßig gestalteten Brücken-Stummel neben der Brücke Nr. 73 („Niehausbrücke“) selbstverständlich auch das Originalgeländer eingesetzt. Und der Heimathausverein sowieso, der neben der Brücke Nr. 76 an der L 109 in Eigenregie ein weiteres Brückenfragment aufgebaut hat. Eine Lösung zeichnet sich ab. Denn Abbruchunternehmer Holtmeyer hat das Geländer noch und wäre bereit, es den Leuten vom Heimathausverein zur Verfügung zu stellen, wenn die denn in Eigenleistung das Geländer austauschen wollen. Die WSV hat dazu bereits ihren Segen gegeben, verweist jedoch auf Gewährleistungsfragen und die Pflichten zur Verkehrssicherung und Unterhaltung. Da müsse die Gemeindeverwaltung angesprochen werden. Diesen Weg will Pott jetzt beschreiten. Dabei hofft er auf finanzielles Engagement der Gemeinde fürs Entrosten und Streichen des Geländers. Nach dem jahrelangen Hin und Her, das gewaltige Summen verschlungen habe, seien diese Kosten ja wirklich nur „Peanuts“, meint Pott, „damit würde aber das unwürdige Maschbrücken-Theater wenigstens ein klein wenig versöhnlicher beendet.“ Autor: Joachim Dierks