Mit dem Nachtwächter durch Osnabrück

Pünktlich um 17.00 Uhr hatten sich am Freitag, d. 22. Oktober 2004, 25 Mitglieder und Freunde des Vereins Heimathaus „Hollager Hof“ an der Rathaustreppe in Osnabrück eingefunden, um mit dem Nachtwächter das abendliche Osnabrück zu erkunden.
Nach einer Einführung im Friedenssaal und Aushändigung der Laternen, begleitete der Nachtwächter die Gruppe zum Hotel Walhalla. Am Giebel dort befindet sich das Bild vom Teufel und der Großmutter. Die Nachtwächter, früher auch Hilfspolizeisergeanten genannt, hatten dafür zu sorgen, dass Ruhe und Ordnung herrschte. Wegen der großen Feuergefahr mussten die Bürger der Stadt das Herdfeuer abends vollständig löschen.

Die Einhaltung dieser Vorschrift oblag den Nachtwächtern. In der Marienstraße erläuterte der Nachtwächter die „Kanalisation“ in früheren Zeiten. Auf dem Weg zum Waterlootor (Hegertor) gab es Erläuterungen zur Nachtwächtertradition – 1913 zog der Letzte seine Runden durch die Stadt – und zu den alten Gebäuden in der Straße. Im Bucksturm gab es Aufschluss über den Johanneskasten, der 7 Jahre das Gefängnis von Johann von Hoya war.

Der Kasten hat nur eine geringe Höhe, so dass der Gefangene in dieser Zeit nicht aufrecht stehen konnte. Im Bürgergehorsam, ebenfalls ein alter Wehrturm, wurden Bürger der Stadt eingesperrt, die nicht „gehorsam“ waren, z.B. keine Abgaben leisteten oder ähnliches. Allerdings wurde die Strafe nur im Sommer vollzogen und dauerte nur einige Tage. Abschreckend war sie aber schon, da alle Bürger davon erfuhren.

An der Vitischanze/Haarlemer Brücke wurde das Innere der „Hohen Brücke“ besichtigt. Von dort soll es einen unterirdischen Gang zum Getrudenberg gegeben haben, was aber nicht bewiesen ist. Den Abschluss der abendlichen Stadtbesichtigung bildede der Aufstieg auf den Turm der Marienkirche. Bei klarer Luft war die Fernsicht optimal und entschädigte für den beschwerlichen Aufstieg. Von der Marienkirche ging es zum nahe gelegen Brauhaus Rampendahl zu einem deftigen Imbiss.