Piusstraße und Marienstraße in Hollage-Ost weist auf die Mariensäule

Historiker streiten darüber, weshalb die Mariensäule ausgerechnet an dieser Stelle errichtet wurde.  Foto: Dierks

von Joachim Dierks

Wallenhorst
Die 1871 errichtete Mariensäule zu Ehren des Papstes Pius IX. hat gleich zu zwei Straßenbenennungen in Hollage-Ost geführt: Marienstraße und Piusstraße. Anlass für die Aufstellung der vom Bildhauer Heinrich Seling geschaffenen, 13 Meter hohen Sandstein-Säule war das 25. Jubiläum des Pontifikats von Pius IX., der als längstdienender Papst (1846 – 1878) in die Kirchengeschichte eingegangen ist.

„Wir haben hier, wie wohl überall, mit Freudenfeuern, Böllerschießen, Feuerwerk, Fackeln, Festliedern, Reden und tausendstimmigen Hochs das Jubiläum Seiner Heiligkeit Pius IX. gefeiert“, schreiben die „Neuen Volksblätter“ vom 23. Juni 1871. Der „Festplatz“, auf dem das Ganze stattfand, wurde wenige Monate später zum Standort der Säule.

Nun streiten sich die Historiker darüber, weshalb die Mariensäule ausgerechnet an dieser Stelle, in einem Kiefernwäldchen fernab von sonstigen kirchlichen Einrichtungen, errichtet wurde? War es einfach nur die günstige Gelegenheit, weil Colon Clausing dort ein Stück seines Landes kostenlos zur Verfügung stellte? „Das kann es eigentlich nicht gewesen sein“, mutmaßt Historiker Franz-Joseph Hawighorst, „denn die Stiftung von Land für kirchliche Zwecke durch Vollerben war früher gang und gäbe“. Er verweist auf Colon Wulftange, der sowohl das Grundstück für die Hollager Josefskirche als auch das für den Hollager Friedhof an der Egbersstraße stiftete.

Hawighorst tendiert genau wie sein Historiker-Kollege Andreas Albers zu der Annahme, dass der Standort gewählt wurde, weil er auf einer sanften Anhöhe gelegen ist, die Säule also von vielen Bewohnern des Kirchspiels gesehen werden konnte. Das ist heute nicht mehr so, weil der Siedlungsbau die Säule eingekreist hat. Zum anderen liegt die Säule etwa in der Mitte des Kirchspiels Wallenhorst, zu dem damals auch noch Hollage gehörte – Kirchbau und Abpfarrung von St. Josef fanden erst 50 Jahre später statt. Ein weiteres Argument für diesen Standort könnte gewesen sein, dass er zur „Besänftigung“ der Hollager und Pyer Kirchgänger weiter in den Westen des Kirchspiels gerückt wurde. Denn in der Streitfrage, wo die neue Alexanderkirche entstehen sollte, waren nur Vorschläge im Osten des Kirchspiels in der engeren Wahl.

Der Historiker Franz-Josef Landwehr hat der Mariensäule eine kleine Broschüre gewidmet, die der Heimat- und Kulturverein Hollager Hof herausgegeben hat. Darin schlägt er einen Bogen zu der großen kirchenpolitischen Auseinandersetzung jener Zeit, die als „Kulturkampf“ bezeichnet wird. Im Kern ging es darum, dass das protestantisch geprägte Preußen beziehungsweise später das Kaiserreich unter Kanzler Bismarck den Einfluss der katholischen Kirche auf das öffentliche Leben beschneiden und eine stärkere Trennung von Kirche und Staat durchsetzen wollte. Die große Opferfreudigkeit der Wallenhorster für die Mariensäule wertet Landwehr nicht nur als Ausdruck tief wurzelnder Volksfrömmigkeit und Marienverehrung, sondern auch als eine deutliche Parteinahme pro Katholizismus, pro Zentrumspartei und pro Papst Pius IX.

Er beschreibt aber auch die anfängliche Reserviertheit des Osnabrücker Bischofs Johannes Heinrich Beckmann gegenüber dem Vorhaben. . Der hatte es für angemessener gehalten, wenn man den gespendeten Geldbetrag „für einen Marienaltar in der neuen Kirche, die ja wohl bald in Angriff genommen werden dürfte, bestimmen wollte.“ Er befürchtete, „ob das Werk nicht recht bald durch Übelwollende schwere Schädigungen leiden wird“. Ganz unbegründet war die Sorge nicht: Das Relief mit dem Antlitz Pius IX. wurde nach kurzer Zeit aus dem Sockel herausgebrochen.

Quelle: NOZ vom 23.4.2015