Straßenname „In der Stroth“ verweist auf ein altes Feuchtgebiet

Auf der Stroth-Wiese werden Kalksandsteine gebacken

Wallenhorst
Wer oder was ist eine Stroth? Dem aufmerksamen Leser von Straßenschildern wird kaum entgangen sein, dass es in Osnabrück-Atter „In der Strothe“ und in Lotte-Büren den „Strotheweg“ gibt und beide ein Gewerbegebiet einrahmen. Die Wallenhorster Straße „In der Stroth“ befindet sich also in guter Gesellschaft. Sie führt, vom größten Wallenhorster Kreisel ausgehend, in nördlicher Richtung ebenfalls in ein Gewerbegebiet, an dem große Verbrauchermärkte wie Hammer, Porta, Combi und das Kalksandsteinwerk BMO liegen.

Hat „Stroth(e)“ also etwas mit Gewerbe zu tun? Keinesfalls. Es handelt sich um eine alte Flurbezeichnung, die einen Hinweis auf die Landschaft gibt, wie sie hier lange vor dem Entstehen des Gewerbegebietes vorhanden war. Im Niederdeutschen bezeichnet Stroth oder Stroot einen Sumpf oder Morast, also ein Feuchtgebiet. „Stroth“ ist in Wallenhorst ganz konkret eine alte Flurbezeichnung für das Gebiet südlich der Straße „In der Aue“. Die „Stroth“ ist die Wiese nördlich des Strothbachs, den wir heute als Hollager Mühlenbach kennen.

Der Name Strothbach taucht in der „Baugenehmigung“ von 1858 für die Hollager Mühle auf: „Wir erteilen hierdurch dem Colon, Windmüller Jürgen Barlage zu Hollage, Amts Osnabrück, die Concession zur Anlage und Benutzung einer Korn-Wassermühle am Strothbache ohne Beschränkung der Mahlkraft zum Mahlen von Korn jeder Art für andere gegen Lohn.“

Der Strothbach/Mühlenbach versorgte sowohl die Feldmühle auf dem Hof Bohnenkämper als auch die im 19. Jahrhundert vom Kolon Jürgens-Barlag erbaute Wind- und Wassermühle mit dem nötigen Wasser. Heute erfreuen sich die jungen Gäste der Jugendfreizeitstätte Hollager Mühle an dem Fließgewässer, das den Zeltplatz durchzieht, dann weiter westlich den Stichkanal unterdükert und schließlich im Rieselwiesensystem der Haseauen endet.

Ältere Wallenhorster erinnern sich noch an die als Stroth bezeichnete Wiese. Im Gewerbegebiet ist das Feuchtgebiet der Stroth heute nicht mehr sichtbar, sondern durch das Kalksandsteinwerk überbaut. Dem Betrachter von heute drängt sich auch nicht unbedingt der Eindruck auf, dass diese Straße eine viele Jahrhunderte alte Geschichte hat. Bis zum Bau der Bundesstraße 68 als Umgehungsstraße war sie Teil der Reichsstraße und späteren Bundesstraße, die mitten durch den Ort Wallenhorst führte. Die wiederum ging auf einen spätmittelalterlichen Heerweg zurück. 1773 richteten die Bewohner des Kirchspiels Wallenhorst eine Eingabe an das Amt Iburg, wonach mehrere Straßen unbedingt ausgebessert werden müssten. Dabei wird auch der Weg „in der Strote“ erwähnt.

von Joachim Dierks

Quelle: NOZ vom 19.3.2015