„Unter den Höfen” war vor 200 Jahren die Hauptverbindung zwischen Rulle und Ostenort

Zwischen Ruller Flut und Esch

jod WALLENHORST
Der Straßenname „Unter den Höfen” ist unschwer als eine Lagebezeichnung zu erkennen. Die Höfe, um die es geht, reihen sich von West nach Ost wie an einer Perlenschnur zwischen der Ruller Flut im Norden und der heutigen Vehrter  Landstraße, der L109, im Süden. „Unter den Höfen” liegt tiefer als die Höfe, mithin näher an den tiefsten Geländepunkten, die das Gewässer der Ruller Flut sich für seinen Lauf ausgesucht hat.

Die Straße, die heute den Namen „Unter den Höfen” trägt, hatte ursprünglich die Katasterbezeichnung „In der Flut”. Die Straße beginnt im  Westen als Abzweig vom Dörper Damm und trägt im östlichen Abschnitt  den Siedlungsnamen Ostenort. Ostenort gehört neben der Keimzelle „Rulle” (nördlich des heutigen Gasthofs Lingemann) und Garthausen (weiter im Süden am Eingang zum Nettetal) zu den drei ältesten Siedlungsplätzen Rulles. Der Urhof von „Rulle” befand sich im Bereich der heutigen Straßen „Im Dorf” und „Zum Burghügel”.

Östlich hiervon sind im Laufe der Jahrhunderte weitere Höfe entstanden, die mit Bedacht alle einen gewissen Abstand zur Niederung der Ruller Flut wahrten. Die Höfe Dornhegge, Levedag, Lienemann, Selvert, Wahmhoff und Meyer zu Farcke reihten sich hier aneinander. Es folgten die Höfe Große Schawe, Kleine Schawe und Rotert, die dem Siedlungbereich Ostenort zuzurechnen waren. Die genannten Hofbezeichnungen entsprechen dem Stand bei der ersten Vermessung 1790, heute tragen viele Höfe andere Namen. Südlich der heutigen Vehrter Landstraße hatten die Höfe im Esch ihre wichtigsten Ackerflächen, während sie Grünland vor allem beiderseits der Ruller Flut im Norden beweideten.

„Unter den Höfen” dürfte der wichtigste Weg der Bewohner zwischen Rulle und Ostenort gewesen sein. Die Gauß’sehe Landesaufnahme dokumentiert die Bedeutung der Straßen und Wege zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Während etwa die heute untergeordneten Straßen Barenauer Weg, Stadtweg und auch „Unter den Höfen” darin als „Landstraßen” kartiert sind, hatte der Weg nach Icker, der südlich der Höfe verläuft und heute Landesstraße ist, nur die Bedeutung eines Fahrweges.

von Joachim Dierks

Quelle: NOZ vom 20.11.2015