Vor 60 Jahren konnte man hier noch Federball spielen

Die Straße Boerskamp verbindet heute Lechtingen mit Wallenhorst

Von Joachim Dierks
WALLENHORST
Der Boerskamp ist heute die wichtigste Nord-Süd-Verbindung zwischen Wallenhorst und Lechtingen. Er hat die Funktion übernommen, die bis in die späten 1960er-Jahre die alte Bundesstraße 68 hatte. Auf der   Osnabrücker Straße konnten die Lechtinger immer schön geradeaus nach Wallenhorst gelangen. Der Bau der neuen B 68 als Ortsumgehung und der Autobahn „Hansalinie” (heute: A 1) hat das Straßennetz gehörig durcheinandergebracht und viele historische Wegeverbindungen getrennt.

In Höhe der Straßenmeisterei kappte man die alte Verbindung über die Osnabrücker Straße. Die Siedlungskerne von Wallenhorst und Lechtingen hatten keine direkte Verbindung mehr. Wem es widerstrebte, auf die Umgehungsstraße aufzufahren, der musste auf den westlich parallel laufenden Boerskamp ausweichen. Die Straße übernahm eine Rolle, für die sie nicht gebaut war. Die Folge: Unfallhäufungen, Protestakionen lärmgeplagter Anwohner, Bürgerinitiative für den Bau einer anliegerfreien Entlastungsstraße mit einer weiteren Autobahnquerung 200 Meter westlich des Boerskamp. Die ließ sich jedoch nicht durchsetzen. Inzwischen haben sich die Gemüter etwas beruhigt, seitdem durchgehend Tempo 30 verhängt und eine verlangsamende Fahrbahninsel eingebaut wurde. Heute hat der Boerskamp seinen nördlichen Endpunkt in dem Kreisel an der Aral-Tankstelle. Vor 50 Jahren zweigte er etwas weiter nördlich von der Großen Straße ab. Am heutigen Stapelkamp war dann Schluss. Von dort führte nur noch ein Feldweg weiter nach Süden in die Nasse Heide.

Am ursprünglichen Boerskamp lagen Ende des 19. Jahrhunderts nur zwei Heuerhäuser. 1956 setzte die beidseitige Bebauung ein. Damals, so erinnern sich ältere Anwohner, konnten die Kinder und die Erwachsenen noch auf der Straße Federball spielen. Längst ist der Boerskamp zwischen Aral-Kreisel im Norden und Beginn der Brückenrampe im Süden lückenlos bebaut und zu einer viel befahrenen innerörtlichen Verbindungsstraße geworden.

Der Straßenname Boerskamp geht auf eine alte Flurbezeichnung zurück. Der Begriff „Kamp” deutet darauf hin, dass hier vor Jahrhunderten eine Neuabsteckung von Anbauflächen stattfand, nachdem die alten Höfe im Mittelalter  die  wertvollen Eschböden der alten Feldfluren unter sich aufgeteilt hatten. Ein „Kamp” außerhalb der Wallenhorster Ursiedlung entstand westlich der alten Heerstraße, die von Osnabrück über Wallenhorst nach Bramsche führte. Die Landvermessung von Du Plat im 18. Jahrhundert verrät uns, dass dieser Kamp mit der Bezeichnung „Börskamp” zum Hof Schwalenberg gehörte, der unmittelbar neben dem Meyerhof angesiedelt war. Schwalenberg hatte dort weit ab von seiner Hofstelle seine Leibzucht, also die Wohnung des Altbauern. Die dazugehörige Ackerfläche war  weit mehr als nur ein Leibzuchtgarten zur Versorgung des Altbauern. In einer Urkunde von 1498 werden der Schnetlagen Kamp, der Börskamp, der  Stapelkamp und die Schnetlagen-Wiese  als  Bestandteil des Schwalenberghofes beschrieben. Der Börskamp dürfte Teil des Schnetlagenhofes  (siehe  heutige Straße „Schneidling”) gewesen sein, der ursprünglich von der Familie Schwalenberg bewirtschaftet wurde.

Quelle: NOZ vom 23.9.2016