Wallenhorst: Ehrung für NS-Gegner

Wallenhorst Bedrohlich zogen dunkle Wolken heran, als im neuen Baugebiet „Wellmanns Hügel“ in Hollage-Ost Vertreter der Gemeinde Wallenhorst, der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Hollage , Pfarrer Dietmar Schöneich, Bernhard Groß und weitere Gäste zur Einweihung der Nikolaus-Groß -Straße, der Marcel-Callo -Straße, der Johannes-Prassek-Straße und der Georg-Budke -Straße zusammenkamen. Kaum hatte Angelika Kampsen vom Leitungsteam der KAB Hollage mit ihrer Begrüßungsrede begonnen, prasselte ein Platzregen nieder, der ihre Worte verschluckte und umgehend für durchnässte Schuhe und Hosenbeine sorgte. Aufgrund des Windes boten auch die Regenschirme den Anwesenden nur begrenzt Schutz vor den Wassermassen, sodass alle kurzfristig in ihre Autos flüchteten. So schnell, wie der Regen kam, hörte er auch wieder auf, und die Zeremonie konnte fortgesetzt werden. Angelika Kampsen erinnerte daran, dass die KAB schon 2003 das erste Mal Vorschläge zur Benennung von Straßennamen bei der politischen Gemeinde eingebracht und diesen Antrag 2007 erneut gestellt habe. „Damals hieß es, das gehe nur in Hollage und man brauche ein neues Baugebiet in der Nähe der Anne-Frank- und der Delp-Straße“, so Kampsen. Denn eines haben die Namensgeber der neuen Straßen gemeinsam: Sie mussten ihr Leben in Zeiten des Nationalsozialismus opfern beziehungsweise waren politisch sehr engagiert. Und Bürgermeister Ulrich Belde wies darauf hin, dass die vier Männer für ihre „Überzeugung einstehen mussten, wie die wenigsten sich das heute vorstellen können“. Mit der Ernennung der Straßen seien sie nun dauerhaft präsent. Für Pfarrer Schöneich hingegen symbolisierte die Segnung „so etwas wie eine Bitte an Gott und fast so etwas wie ein Glaubensbekenntnis“. Anschließend berichtet der Sohn von Nikolaus Groß, Bernhard Groß, über das Leben seines Vaters und trug sich ins Goldene Buch der Gemeinde ein. Er war zehn Jahre alt, als sein Vater starb, hat noch eine sehr lebhafte Erinnerung an ihn und bewunderte ihn auch als Familienvater. „Er hat sich viel Zeit für uns sieben Kinder genommen“, berichtete Groß. Dessen Vater war bis zu deren Verbot Chefredakteur der „Westdeutschen Arbeiterzeitung“, genannt die „Westdeutsche“ und Verbandsorgan der KAB Westdeutschlands. Darüber hinaus gehörte Nikolaus Groß zum sogenannten Kölner Kreis, einer Widerstandsbewegung, die eng mit dem Berliner Kreis um Carl Friedrich Goerdeler zusammenarbeitete. Im Zusammenhang mit dem Attentat vom 20. Juli wurde Groß senior verhaftet, obwohl er nicht daran beteiligt war. Am 15. Januar 1945 verurteilte der Volksgerichtshof unter Freisler ihn zum Tod, und am 23. Januar 1945 erhängten die Nationalsozialisten ihn in Plötzensee. „Ich glaube schon, dass es hilfreich ist, so ein Vorbild zu haben“, so Groß. Seinem Gewissen zu folgen und für die Werte, die man habe, einzustehen und sein Leben zu geben, darüber gehe kaum etwas, fand der Sohn des NS-Gegners, der 2001 durch Papst Johannes Paul II. seliggesprochen wurde. Nach seinem Vater seien inzwischen wohl „rund 50 Straßen benannt“ – die erste schon 1945. Groß junior war nicht jedes Mal dabei oder wusste überhaupt davon. „Das ist die zweite Straße, die ich einweihe, wo noch kein Haus steht“, berichtete er und fragte sich: „Wer mag hier wohl einziehen?“ Davon abgesehen, zeigte sich der Sohn des NS-Gegners erfreut, über die Information zum Leben seines Vaters, die auf dem Straßenschild unter dessen Namen steht. „Die Info darauf ist schon sehr gut, das ist nicht überall so“, freute sich Groß. von Joachim Dierks Quelle: NOZ vom 28.6.2013