Wallenhorst im Dreißigjährigen Krieg

Martin Joseph schreibt ein Buch 

Der Historiker Martin Joseph schreibt ein Buch über die Geschichte  der Vogtei Wallenhorst  im 30jährigen Krieg. Der 38jährige Wissenschaftler aus Vinte bei Neuenkirchen ist seit September 1997 bei der Gemeinde Wallenhorst angestellt. Er arbeitet an  dem Projekt  „Historie der Gemeinde Wallenhorst anlässlich der  Jubiläumsfeierlichkeiten zum Westfälischen Frieden“. Zur selben Thematik hat er bereits ein Buch mit dem Titel  „Der 30-jährige Krieg in der Vogtei Merzen. Ereignisse, Folgen und Auswirkungen des Westfälischen Friedens“ verfasst, das im November 1997 in Quakenbrück in der Schriftenreihe des Kreisheimatbundes  Bersenbrück (Band 29) erschienen ist.  

Durch diese Publikation wurde der Hauptamtsleiter der Gemeinde  Wallenhorst, Clemens Lammerskitten, auf Martin Joseph aufmerksam  und regte an, für die Gemeinde Wallenhorst ebenfalls eine derartige Veröffentlichung herauszugeben. Mit dem Erscheinen ist am Jahresende zu rechnen. 

Martin Joseph 

Die Vogtei Wallenhorst im  Dreißigjährigen Krieg  EineVeröffentlichung zur Geschichte der Gemeinde

 Am 24. Oktober 1998 jährt sich zum 350. Mal der Tag der Unterzeichnung der Friedensverträge von Münster und Osnabrück. Dieses Vertragswerk, das als der Westfälische Frieden in die Geschichte eingegangen ist, setzte einem nahezu dreißigjährigen Ringen ein Ende, das  1618 als Religionskrieg im damaligen Heiligen Römischen Reich deutscher Nation begonnen hatte und sich schließlich zum europäischen  Mächtekampf entwickelte.  Während wir über die Gesamtzusammenhänge auf hoher Ebene gut  unterrichtet sind, bleibt jedoch vielfach die Frage nach den Ereignissen in unserer Region unbeantwortet. Wie wirkte der Krieg sich in unserer Heimat aus? Welche Ereignisse sind überliefert?

Wie hoch waren die Opfer an Menschenleben in unseren Dörfern? Wie hoch war  der Zerstörungsgrad? Welche wirtschaftlichen und sozialen Folgen  hatte dieser Krieg? Welche Ergebnisse brachte der Friedensschluss in  konfessioneller Hinsicht?  Auf diese Fragen Antwort für den Bereich der Gemeinde Wallenhorst  zu geben, ist das Ziel einer Publikation, die jetzt im Entstehen begriffen ist.  -Das heutige Gemeindegebiet von Wallenhorst entspricht im wesentlichen dem Umfang der damaligen Vogtei Wallenhorst, die von den Kirchspielen Wallenhorst und Rulle gebildet wurde und zum Amt Iburg  gehörte.  Dieses wiederum war Teil des Hochstifts Osnabrück, das zu den mittleren geistlichen Fürstentümern des Heiligen Römischen Reiches gehörte.

Das Gebiet der heutigen Gemeinde Wallenhorst sah früher in vieler  Hinsicht anders aus. Wer heute durch Wallenhorst und seine Ortsteile  mit ihrem schon fast vorstädtischen Charakter fährt, vermag sich kaum  vorzustellen, wie klein die beiden Kirchspiele Wallenhorst und Rulle  im 17. Jahrhundert waren.  Zum Kirchspiel Wallenhorst gehörten damals neben dem Kirchdorf  Wallenhorst die Bauerschaften Hollage, Lechtingen und Pye, letzteres  gehört heute zur Stadt Osnabrück.  In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges bestand das Kirchdorf Wallenhorst aus 5 Vollerben, 6 Halberben, 1 Erbkötter und 6 Markkötter. Die  Bauerschaft Lechtingen umfasste 10 Vollerben, 2 Halberben und 5  Markkotten. ln Pye gab es 7 Vollerben, 1 Erbkötter und 4 Markkötter.  Die größte Bauerschaft im Kirchspiel Wallenhorst war Hollage mit 18  Vollerben, 4 Halberben, 1 Erbkötter und 2 Markköttern.  Das Kirchspiel Rulle hatte 14 Vollerben, 10 Halberben, 3 Erbkötter und  9 Markkötter aufzuweisen. Auf den Vollerbenhöfen gab es auch die  sogenannten Leibzuchten, dies waren Häuser, die als Altenteil dienten. Sie wurden aber auch an Heuerleute vermietet.

Die meisten Bauernhöfe waren eigenbehörig, d. h. die Bewohner waren Leibeigene eines adligen Grundherrn. Die meisten Höfe in der Vogtei  Wallenhorst waren dem adligen Zisterzienserinnenkloster Rulle  eigenbehörig.  Das im gleichnamigen Kirchspiel gelegene Kloster hatte aufgrund des  sogenannten Blutwunders, das sich im Jahre 1347 ereignet haben  soll, schnell an überregionaler Bedeutung gewonnen. lm 16. und 17.  Jahrhundert kamen Wallfahrer aus dem nordwestdeutschen und westfälischen Raum und selbst aus den Niederlanden, um dort zu beten  und Heilung von Krankheiten zu erbitten. 

Ein bedeutender Faktor in der hauptsächlich von der Landwirtschaft  geprägten Vogtei Wallenhorst war die Schafzucht, die sich in der von  großen Heideflächen und mageren Böden gekennzeichneten Landschaft am ehesten eignete. 1649 gab es in der Vogtei 19 Schäfer und  19 Schäferjungen. Ein Beleg dafür, wie intensiv damals die Schafzucht  betrieben wurde.  lm Piesberg wurde im 16. und 17. Jahrhundert in bescheidenem Maße  von der Stadt Osnabrück Kohle abgebaut, die zur Feuerung der städtischen Kalköfen benutzt wurde.  ln der Vogtei Wallenhorst gab es auch Wassermühlen. Es waren dies  die beiden Garthäuser Mühlen an der Nette, die zum Kloster Rulle  gehörten und von diesem auch verpachtet wurden, und die Feldmühle  am Sooswiesenbach, die zum Vollerbe Barlage in Hollage gehörte.  An der Spitze der Vogtei stand, wie der Name schon sagt, der Vogt,  der in Wallenhorst auch über ein eigenes Vogteihaus verfügte.

Ausschnitt aus der Karte des Hochstifts Osnabrück von Johannes Gigas 1630/31 (Niedersächsisches Staatsarchiv Osnabrück K 104 Nr. 2 H)

Er war  der Repräsentant und Exekutor der fürstlichen Macht auf dem Lande.  Daher waren ihm umfassende militärische und polizeiliche Funktionen  übertragen worden. Durch den Vogt erfuhr die Bevölkerung auch von  landesherrlichen Verordnungen und Gesetzen, die meist in der Kirche  öffentlich verkündet wurden. Zu den Aufgaben des Vogtes gehörte  aber auch die Eintreibung der Kriegssteuern, der Kontributionen; diese Funktion als Steuereintreiber machte den Vogt allerdings mitunter  sehr unbeliebt bei der Bevölkerung.  Die Vorsteher der Bauerschaften nannte man Bauerrichter.

Diese leiteten die Bauerschaftsversammlungen. Der Bauerrichter stand zwischen der Bevölkerung und dem Vogt, dessen Befehle er auszuführen  hatte.  An der Westgrenze der Bauerschaft Hollage, die gleichzeitig die Landesgrenze zur Grafschaft Tecklenburg bildete, gab es eine im Mittelalter errichtete Landwehr mit einem Wehrturm, der Dörenburg. Nach-  dem die Grenzfehden mit Tecklenburg nachgelassen hatten, wurde  der Turm zu einem Landgut umgebaut, das dann von der Stadt Osnabrück als Eigentümerin verpachtet wurde.

Eine bedeutende Verkehrsverbindung, die die Bauerschaften Hollage und Pye durchzog, war  der Fürstenauer Damm, der die Landeshauptstadt Osnabrück mit der  Festung Fürstenau verband. In diesen Verkehrsweg mündeten hinter  Fürstenau die Wege nach Lengerich und zur Festungsstadt Lingen  ein, die dann weiter in die Niederlande führten. ln Osnabrück schlossen sich die Verbindungen zu den Festungsstädten Münster und  Warendorf an. Gleichzeitig durchquerte die Heerstraße, die von Osnabrück nach Bremen und Oldenburg führte, das Kirchdorf Wallenhorst  und die Bauerschaft Lechtingen. Diese Verkehrslage sollte in der Zeit  des Dreißigjährigen Krieges nicht ohne Folgen für die Vogtei Wallenhorst bleiben.

Quelle: BÜRGER-ECHO, 6. MAI 1998