Waltbertweg erinnert an die Reliquienüberstellung

Die Spur der Gebeine es heiligen Alexander jod WALLEN HORST Wie gut, dass im Mittelalter wenigstens die Mönche schreiben konnten. Sonst wüssten wir vielleicht gar nicht, wie alt Wallenhorst ist. Zwei Mönche des Klosters Fulda brachten zwischen 865 und 872 eine Geschichte zu Papier, die sich im Jahr 851 zugetragen hatte und in der Wallenhorst erstmals erwähnt wurde und somit in die Geschichte eintrat. Es handelte sich um die Überführung der Gebeine des heiligen Alexander von Rom nach Wildeshausen, die über „villa wallonhurst” führte. Waltbert war sozusagen der Transportführer. Ihm ist zu verdanken, dass der kleine Ort Wallenhorst quasi in einem Atemzug mit Rom genannt wurde, wie Werner Delbanco in der Chronik „1150 Jahre Wallenhorst” schreibt, „und das in einem Zusammenhang von weltgeschichtlicher Bedeutung, der Unterwerfung und Christianisierung Sachsens”. Waltbert war ein Enkel des Sachsenherzogs Widukind, der 70 bis 80 Jahre zuvor den Kampf der heidnischen Sachsen gegen die Franken unter Karl dem Großen geleitet hatte. 785 ließ Widukind sich taufen und wechselte damit die Fronten. Die karolingische Herrschaft lohnte es ihm und seinen Nachkommen. So war auch Waltbert in das Herrschaftssystem des Frankenkaisers Lothar I. ein: gebunden und mit Güterbesitz in den unterworfenen Sachsenlanden gesegnet worden. Graf Waltbert herrschte über den Lerigau, die Landschaft an der unteren Hunte um Wildeshausen. Dort hatte er ein Stift gegründet. Waltbert veranlasste seinen Kaiser Lothar, an den Papst zu schreiben und ihn um die Überlassung von Heiligenreliquien für Wildeshausen zu bitten. Grund: Der Erfolg der Mission in Sachsen sei noch unsicher. Den Sachsen benachbart seien Heiden, Normannen und Obotriten, die „das rohe Volk” von der wahren Religion abbringen könnten. Ein sichtbarer heiliger Gegenstand sei vonnöten, denn durch die Zeichen und Wunder der heiligen Märtyrer leuchte die Macht und Größe Gottes sowohl Gläubigen als auch ungläubigen ein. Wunderheilungen Der Papst willigte ein. Im Winter 850/851 holte Waltbert in Rom die Gebeine des heiligen Alexander ab. Alexander war sieben Jahrhunderte zuvor, im Jahr 165 nach Christus, wegen seines christlichen Glaubens in Rom zu Tode gemartert worden. Die nun startende „Translatio Sancti Alexandri” (Überführung des heiligen Alexander) hatte das erklärte Ziel, Wunderheilungen zu be wirken. Sie traten laut Überlieferung auch ein, zunächst in Boppard, dann in Drensteinfurt, Osnabrück, Wallenhorst, Bokern bei Vechta, Holtrup und schließlich in Wildeshausen selbst, dem Ziel des Unternehmens. Leicht süffisant merkt Delbanco an, dass die Dichte der Wunder zunahm, je mehr sich die „Translatio” in die Sachsenlande vorarbeitete. Der Beweis von Gottes Macht sollte Waltberts eigener Stellung in den Widukind’schen Erblanden zugutekommen. Das Wallenhorster Wunder, nämlich dass der blinde Wetrih bei Annäherung der Reliquien seine Sehfähigkeit wiedererlangte, dürfte mit der räumlichen Nähe zu Waltberts lokalem Machtstützpunkt, der Wittekindsburg in Rulle, zu tun haben, vermutet Delbanco. Damals wurde ein kleiner Teil der kostbaren Reliquien-Fracht abgezweigt und in der ersten christlichen Kirche auf Wallenhorster Gebiet verwahrt, deren Namenspatron Alexander auf diese Weise wurde. So kam es, dass es nicht nur am Zielort der „Translatio”, in Wildeshausen, eine Alexanderkirche gibt, sondern auch in Wallenhorst. Und eine Alexanderschule und eine Alexander-Apotheke obendrein. von Joachim Dierks Quelle: NOZ vom 24.10.2014