Weiß blühende Felder gaben den Namen

Die Straße Witten Kamp verbindet Hollager und Fiesteler Straße

jod  WALLENHORST
Die Straße Witten Kamp führt von der Hollager Straße vorbei an Feldern zur Fiesteler Straße. Sie ist Teil einer alten Nord-Süd-Verbindung in Hollage. Im Süden schloss ursprünglich der Hollager Mühlenweg an (heute: Am Ostenholz).Die Nord-Süd-Verbindung war wichtig, weil sie aus der Hollager Ursiedlung, der „hohlen Lage” südlich des Hollager Bergs, zur alten Feldmühle am Hollager Mühlenbach (auf dem heutigen Hof Bohnenkämper)führte. Heute schließt nördlich an die Straße Witten Kamp der Pollerweg an.

Die Straße hat in den 1960er-Jahren ihren Namen von der gleichlautenden Flurbezeichnung bekommen. Für die Deutung des Flurnamens gibt es zwei Möglichkeiten, wie der Historiker Franz-Joseph Hawighorst erläutert: eine richtige und eine falsche. Um mit der falschen anzufangen, weil sie eigentlich recht einleuchtend klingt: Witten Kamp ist demnach eine Kampfläche; die zum Hof Witte gehörte. Witte war über viele Jahrhunderte hinweg der größte Vollerbenhof in Fiestel. Es wäre von daher nicht   ungewöhnlich, wenn diese Kampfläche nach dem traditionsreichen Hof benannt worden wäre. Und überdies lokalgeschichtlich sinnvoll, denn so wäre der Name eines Hofes erhalten, der vor 100 Jahren aufgeteilt und verkauft wurde.

Beim genauen Hinschauen, so Hawighorst, stellt man jedoch fest, dass die Flurbezeichnung ganz anders zu deuten ist. Die erste Landvermessung aus 1790 gibt uns die Auskunft, dass die historischen Kanipflächen östlich der heutigen Straße lagen. Hier hatten die Höfe Remme zu Fiestel und Wulftange bei einer späteren Rodung ihren Besitz erweitert. Zum großen Witte-Hof gibt es hier hingegen keinen Bezug.

Des Rätsels Lösung ist aber dann sehr einfach. Die Menschen vergangener Jahrhunderte haben vielfach Gebiete so beschrieben, wie sie sie optisch wahrnahmen. Und die Bezeichnung „witt” gibt den Hinweis auf eine helle Bodenfärbung oder einen hellen weißen Pflanzenwuchs. Die helle Bodenfärbung dürfte nicht zu begründen sein: Ein weißer Pflanzenbewuchs hingegen ist sehr wahrscheinlich. Kompetent ist für eine solche Frage der in Rulle wohnende Botanik-Professor Konrad Arndt, der in der Ortschronik die „Vegetation in der Gemeinde Wallenhorst” beschrieben hat. Die Bezeichnung, wie sie die Hollager Bewohner den Vermessern im 18. Jahrhundert mitgeteilt haben und wie sie dann auch in die amtlichen Aufzeichnungen aufgenommen wurde, lautete „Auf den witten Kämpen”.

Es waren weiße Kulturflächen, die die Fiesteler zu dieser Namensgebung inspirierten. Arndt geht davon aus, dass wahrscheinlich Buchweizen oder Acker-Spark (Spergula arvensis) die Pflanzen waren, die mit ihren weißen Blüten hier das Landschaftsbild früherer Jahrhunderte prägten und damit die „weißen Kämpe” zu einem Landschaftsnamen werden ließen.

von Joachim Dierks

Quelle: NOZ vom 15.1.2016