Wie der Bockholt zum neuen Zentrum wurde

Es hätte gar nicht viel gefehlt, dann hieße Wallenhorst heute nicht Wallenhorst, sondern Bockholt. Die niederdeutsche Bezeichnung ist ein alter Ortsname. Foto: Joachim Dierks Straße erinnert an den Ort, der lange im Schatten des alten Dorfes stand Warum Wallenhorst nicht Bockholt heißt Wallenhorst Es hätte gar nicht viel gefehlt, dann hieße Wallenhorst heute nicht Wallenhorst, sondern Bockholt. Die niederdeutsche Bezeichnung für Buchengehölz ist nämlich ein sehr alter Ortsname, der über viele Jahrhunderte etwa gleichrangig neben Wallenhorst stand. Während die Ursiedlung Wallenhorst im Alten Dorf östlich der heutigen B68 liegt, bezeichnet Bockholt die kleine Anhöhe rund um die Neue Alexanderkirche . Da sich hier das aktuelle Ortszentrum mit dem Rathaus befindet, wäre Bockholt eigentlich sogar der treffendere Name für die Großgemeinde Wallenhorst. Die Straße Am Bockholt zweigt mitten im Ort von der Großen Straße ab und mündet beim neuen HHO-Wohnheim in die Franksmannstraße. Ihr Verlauf beschreibt in etwa die östliche Grenze des historischen Bockholt. In der Sage von der Gründung der Alten Alexanderkirche heißt es: „Um Bockholt und Wallenhorst lag ein heiliger Hain mit dem Tempel eines heidnischen Gottes ….“. Der war Karl dem Großen natürlich ein Dorn im Auge. Es kam der Sage nach zur blutigen Schlacht mit Wittekinds Sachsenheer in der Vördener Heide. Karl obsiegte, zerstörte den Heidentempel und erbaute auf den Ruinen die erste christliche Kirche, die später so benannte (Alte) Alexanderkirche. Auf den Turmhelm setzte er eine goldene Henne zum Zeichen, dass sie weitere Christenkirchen im Lande ausbrüten möge. Der Historiker Franz-Joseph Hawighorst entnimmt der Sage den eindeutigen Hinweis, dass Bockholt und Wallenhorst die zwei bedeutsamsten Ortsbezeichnungen waren. Die Geschichtsschreibung erwähnt den Bockholt 1426 schon wieder im Zusammenhang mit Blutvergießen: Herford und Osnabrück lagen im Streit. Auf dem Bockholt kam es zum Gefecht. Zwei Söhne der adeligen Osnabrücker Familie von Wulf fielen. Ihnen zum Gedächtnis und zum Seelenheil stiftete die Familie auf dem Bockholt eine Kapelle, die als Annakapelle erhalten ist. Bedeutung hatte der Bockholt im 15. und 16. Jahrhundert auch als Versammlungsplatz der Stiftsstände des Fürstbistums Osnabrück. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde er erstmals mit einer Art Rathaus bebaut: Das Vogteihaus für die Vogtei Wallenhorst (Kirchspiele Wallenhorst und Rulle) diente dem Vogt, dem Statthalter des Landesherrn, als standesgemäße Unterkunft und Dienstsitz. Später wurde daraus der Hof Bruning und in jüngster Zeit die Gaststätte Zur Post. Der Bockholt gab auch einem Markkötter den Namen. Dieser wird bereits in Steuerlisten des 17. Jahrhunderts erwähnt. 1834 erwarben Franz W. Kreienbaum und seine Frau Maria Engel Schöler die Markkötterei und führten den Namen „Kreienbaum genannt Bockholt“. In dem Markkotten an der Chaussee nach Bramsche betrieben sie eine Schankwirtschaft. 1871 heiratete Heinrich Bitter aus Schinkel in diese Familie ein. Die Familie Bitter führte über mehrere Generationen den Besitz auf dem Bockholt, der schließlich unter dem Namen „Töwerland“ ein glückloses Ende nahm. Der Bockholt lag 1834, als Kreienbaum den Besitz kaufte und Gastwirt und Landwirt wurde, nach wie vor am Rande der Gemeinde, deren Mittelpunkt immer noch die Kirche im Alten Dorf war. Die wurde aber Mitte des 19. Jahrhunderts für die wachsende Gemeinschaft zu klein, zudem war das Kirchengebäude feucht und renovierungsbedürftig. Nach langer Suche eines geeigneten Standorts entschied die Gemeinde sich 1877 für einen Neubau auf dem Bockholt in Nachbarschaft zur gotischen Annakapelle. Der Standort erfüllte die Forderung des damaligen Kapitularvikars Bernhard Höting: „Die Kirche muß von einem ansehnlichen freien Platz umgeben sein, so daß sie nach allen Seiten dem Auge eine unbehinderte und wirkungsvolle Ansicht darbieten kann.“ Mit dem Bau der Neuen Alexanderkirche bildete sich Ende des 19. Jahrhunderts das neue Dorf auf dem Bockholt heran. Da aber war es zu spät, um den festgeschriebenen Namen Wallenhorst noch in Bockholt zu ändern. In den Jahrhunderten zuvor war die Besiedlung dort gewachsen, wo die besten Eschböden waren, und das war eben im Alten Dorf Wallenhorst, das dadurch auch dem größer werdenden Gemeinwesen seinen Namensstempel aufdrückte. Kurt Jünemann beschreibt in einem Aufsatz zur Entwicklung des Wallenhorster Gewerbes, dass im Kirchspiel Wallenhorst viele Waren durch fliegende Händler auf Märkten verkauft wurden. Bis 1890 wurden solche Märkte auf dem Bockholt abgehalten. Der Wallenhorster Weihnachtsmarkt unserer Tage auf dem Kirchplatz hat also historische Vorläufer. von Joachim Dierks Quelle: NOZ vom 5.12.2014