Zurück zu den Wurzeln

Am Waltbertweg im Alten Dorf stand in früheren Zeiten das Spritzenhaus.  Repros: Ursula Holtgrewe

Früher rief ein Trommler die Wallenhorster Feuerwehrleute zu Einsätzen. Heute alarmieren Pieper die Blauröcke. Die Wallenhorster freiwillige Feuerwehr feiert in diesem Jahr das 75-jährige Bestehen. Indes ist sehr wahrscheinlich, dass es bereits vor weit mehr als 200 Jahren im Kirchspiel Löscheinsätze gab.

Die umfassende Feuerwehrhistorie verdanken die Helfer dem Lehrer und Heimatpfleger Kurt Jünemann. Er trug Wissenswertes zusammen, wie die notierte Reparatur einer Spritze aus dem Jahr 1818. Aufgrund der Feuererordnung für das Hochstift Osnabrück (1772), die in jedem Kirchspiel eine große Feuerspritze mit Zubehör verlangte, folgerte Jünemann, dass Wallenhorst möglicherweise lange vor dem Erlass über eine Feuerspritze verfügt habe.

In Zeiten, als es kein organisiertes Löschwesen gab und der rote Hahn, ausgelöst von Dielenfeuern, offenem Licht oder Blitz, von Dach zu Dach zog, war Nachbarschaftshilfe unerlässlich. Die Ausrüstung mit Ledereimern und Haushaken waren überall vorhanden. Nachts wurden die Helfer aus den Betten getrommelt. Auch in Wallenhorst. Den Trommler löste später, als die Glocken aus der alten Alexanderkirche in der neuen Pfarrkirche hingen, das „Beiern“ der Brandglocke ab.

Zwölf Männer rückten zum Spritzenhaus aus. Das erste stand nach Überlieferungen im Alten Dorf am Weg zum Meyerhof. Das zweite zwischen dem Waltbertweg und der heutigen B68.

Die Helfer schirrten Pferde an und machten sich mit dem Spritzenwagen auf den holperigen Weg. Das dauerte oft derart lange, dass das Haus nicht zu retten war und die Helfer nur noch Nebengebäude schützen konnten.

Im Jahr 1874 erhielt der Spritzenführer ein Jahressalär von drei Reichtalern und 15 Mariengroschen. Er war für Instandsetzungsarbeiten verantwortlich und hängte die Schläuche im Spritzenturm auf.

Als einmal der Turm der Alten Alexanderkirche durch einen Blitzschlag in Brand geriet, waren die Helfer fast machtlos. „Sie kamen mit der Spritze nicht oben ran und mussten das Feuer herabbrennen lassen, bis zu der Höhe in die der Wasserstrahl reichte“, berichtet Feuerwehrchronist Heinrich Dorenkamp.

Die alte Spritze blieb auch nach der Gründung der freiwilligen Wehr im April 1935 vorerst im Einsatz. „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“, war schon damals der Leitspruch der Männer, die sich aus freiem Entschluss und in kameradschaftlichem Geist zusammenfanden. Das Löschwesen bekam Struktur durch Versammlungen, Schulungen und praktische Übungen. Im Jahr 1937 wurde ein motorisiertes Fahrzeug gekauft, drei Jahre später eine Motorpumpe. Die Technisierung hatte begonnen.

Mitgliederzahlen stiegen. Die Aufgaben wurden mehr, wie Anlage von Löschteichen. In den Kriegsjahren bargen die freiwilligen Helfer auch Tote aus Flugzeugwracks oder zerbombten Bunkern. Weil die Männer überwiegend im Krieg waren, versahen auch Frauen den Feuerwehrdienst.

Im Jahr 1968 war es erforderlich geworden, ein neues Feuerwehrhaus an der Straße Am Bockholt zu bauen. „Damals standen zwei Fahrzeuge in drei Hallen. Alte Kameraden haben gesagt: Das wird nie voll. Heute haben wir sechs Fahrzeuge. Daran kann man die Entwicklung sehen“, sagt Ortsbrandmeister Frank Hörnschemeyer. Teils in Eigenleistung bauten die Feuerwehrleute das Gerätehaus um. Platzmangel erforderte einen dritten Neubau. Erneut: Bald steht der Umzug ins neue Gebäude nahe der Stelle des ersten an der B 68 bevor. „Damit kehren wir zurück zu unseren Wurzeln“, sinniert Hörnschemeyer schmunzelnd.

Quelle: NOZ vom 4.8.2009