Ein Blick hinter die Kulissen
Wer von uns weiß eigentlich ganz genau, was auf den landwirtschaftlichen Betrieben direkt vor unserer Haustür produziert wird? Um genau das herauszufinden, machten sich am 7. Juni rund 20 fahrradbegeisterte Teilnehmer auf eine informative, etwa 20 Kilometer lange Tour durch Hollage.
Start an der Weltkugel und historische Einblicke
Die Tour startete bei trockenem und kühlem Wetter an der Weltkugel, wo Stefan Gutendorf die Gruppe herzlich begrüßte und die geplante Route vorstellte. Erste Station war die zur 750-Jahr-Feier von Hollage errichtete Ortsteiltafel in der Barlage. Hier empfing uns Siegfried Wulftange mit spannenden historischen Fakten: Er berichtete über die Geschichte der Barlage, das erste Schulhaus in der Barlage und die längste Straße unseres Ortsteils. Obwohl die Barlage heute dünn besiedelt ist und idyllisch-abgelegen hinter dem Kanal liegt, wird hier aktiv gewirtschaftet.
Von historischen Wurzeln und moderner Energie
Hof Gers-Barlag
Weiter ging es zum Hof Gers-Barlag. Ein geschichtsträchtiger Ort, denn von genau diesem Hof stammt auch unser Heimathaus aus dem Jahr 1656. Vor Ort durften wir den alten Standort besichtigen. Gerd und Beate Gers-Barlag empfingen uns herzlich und zeigten uns ein besonderes Naturdenkmal: Hier steht heute die dickste Eiche von Wallenhorst, nachdem das Exemplar am Josefsplatz gefällt werden musste.
Beim anschließenden Rundgang gab es Einblicke in die moderne Landwirtschaft: Neben einem geschlossenen Schweinekreislauf mit Sauenhaltung setzt der Hof stark auf Nachhaltigkeit. Dank Photovoltaik, Hackschnitzeln und dem Anbau von Miskanthus (Elefantengras) wird eine Nahwärmeversorgung betrieben, die auch Nachbargebäude einschließt. Miskanthus wird zudem als allergikerfreundliche Einstreu für die Pferdewirtschaft genutzt. Ein humorvolles Highlight: Die gesamte Radgruppe formierte sich auf der großen Lkw-Waage des Hofes und brachte – ohne den Chronisten – stolze zwei Tonnen Gesamtgewicht auf die Anzeige!
Globale Märkte im Blick
Kartoffelanbau am Hof Niehaus
Die nächste Etappe führte uns zum Hof Niehaus, wo uns Albert Niehaus und sein Sohn Michael informierten. Hier dreht sich auch vieles um den hochwertigen Kartoffelanbau für Großabnehmer. Die Hollager Kartoffeln wandern in die Produktion von Chips und Pommes frites und gehen sogar in den Export. Doch auch die lokale Landwirtschaft spürt die Globalisierung. Das bislang stabile Geschäft bekommt zunehmend Konkurrenz aus China. Da tiefgefrorene Fritten nahezu unbegrenzt haltbar und weltweit handelbar sind, drängen Fernost-Produkte auf den Markt – eine Entwicklung, die mittlerweile selbst führende deutsche Landmaschinenhersteller wie Grimme spüren.
Blick hinter die Kulissen der Schweinemast
Zu Gast auf dem Hof Otte
Nach einem längeren Tourabschnitt erreichten wir schließlich den Hof Otte, der sich auf die Schweinemast spezialisiert hat. Die Eheleute Heiner und Mechthild Otte nahm sich viel Zeit, um uns die Abläufe des Betriebs einschließlich der Ernergieerzeugung durch Photovoltaik zu erklären.
Interessant waren auch die Einblicke in die Preisgestaltung. Während man als Verbraucher denkt, dass die Preise zur Grillsaison durch die hohe Nachfrage steigen, sieht die Realität für die Landwirte anders aus. Große Schlachtbetriebe diktieren die Preise auf dem Markt.
Alle neun Wochen ziehen kleine Ferkel mit einem Gewicht von nur 5 bis 7 kg in die Ferkelstallungen ein. Sobald die Jungtiere ein ausreichendes Gewicht erreicht haben, wechseln sie in die Maststallungen. Dort verbleiben sie und legen kontinuierlich an Gewicht zu, bis sie das Schlachtgewicht erreichen.
Die Dauerbaustelle an den Hase- und Flutbrücken
Weiter ging es durch die Barlage zum Yachthafen. An den dortigen Brückenbaustellen informierte uns Volker Holtmeyer, der Co-Vorsitzenden des Vereins „Bürger-Radweg Hollage/Halen e.V.“. Er gab uns ein Update zu den aktuellen Herausforderungen des Projekts.
Die aufwendige Suche nach Blindgängern hat den Zeitplan stark strapaziert. Die Planung ist extrem komplex, da viele verschiedene Zuständigkeiten (Deutsche Bahn, Land, die Landkreise Osnabrück und Steinfurt, die Politik) koordiniert werden müssen.
Abschluss ohne Schlürschluck
Eigentlich sollte die Tour mit einem traditionellen „Schlürschluck“ am Yachthafen enden. Wegen der kühlen Wetterlage wurde das Programm jedoch spontan verkürzt. Wir verabschiedeten uns direkt auf der Hasebrücke in einen bewölkten, aber glücklicherweise trockenen Restsonntag. Ein rundum gelungener Ausflug, der zeigt, dass unsere lokale Landwirtschaft vielseitig, hochmodern und gleichzeitig eng mit dem Weltmarkt verzahnt ist.
Unser Fazit zum Wetterbericht: Man kann sich eben auf nichts mehr verlassen – in diesem Fall zu unseren Gunsten!















