“Amerika – aus gesundheitlichen Gründen” Hollaender-Abend im “Hollager Hof”

 “Amerika – aus gesundheitlichen Gründen” Hollaender-Abend im “Hollager Hof”

„Zeitkritik, reflektiert mit Spott und Ironie als Markenzeichen Friedrich Hollaenders“!
Gleich zu Beginn eines ebenso amüsanten wie schwungvollen Abends im „Hollager Hof“ ließ Chansonier Benno Berlin das Publikum im ausverkauften Hause wissen, welche Kategorie „Schlager und Chansons“ in den nächsten 90 Minuten anstehen würden. Dabei zeigte sich sehr schnell, dass mit Hollaender einer jener Künstler interpretiert wurde, deren Vita zugleich Spiegel des 20.Jh. deutscher Geschichte sind.

Jahrgang 1896, beginnt dessen Karriere in der Berliner Szene der „Goldenen Zwanziger“, die bei näherem Hinsehen alles andere als „Golden“ sind. Grundthema ist die Sehnsucht nach Ferne und Freiheit. „Komm, wir fahren zu den Eskimos“ bedeutet nichts anders, als den „wilden und wirren“ politischen Verhältnissen zu entkommen, ebenso wie auch wirtschaftliche Not allgegenwärtig ist. „Wenn ich mal tot bin, ess ich doch nischt mehr“. Da ist jener Fatalismus wohl ein Stück Lebenskunst, wenn Hollaender 1933 als Jude nach Amerika emigriert, „aus gesundheitlichen Gründen“, wie er zu sagen pflegt. Und es ihn trotz großer Erfolge in Hollywood mit einer Vielzahl von Filmmusiken Mitte der Fünfziger doch wieder nach Deutschland zieht, nach München in die „Kleine Freiheit“. Auf die Bretter, die die Welt bedeuten.
Einem größeren Publikum ist Friedrich Hollaender bis heute bekannt über Stücke, die von Marlene Dietrich interpretiert zu Weltruhm gekommen sind: „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ , Johnny“ oder der Musik zu dem Film „Spukschloß im Spessart“. Dargeboten von Benno Berlin und begleitet von Gerrit Loets am Klavier. So gekonnt, dass erst die dritte Zugabe das Ende der Veranstaltung markierte.
Vielen Dank an das Künstlerduo Loets/Berlin für diesen kurzweiligen, aber auch nachdenklich machenden Abend.
Und da sich das Jahr 2008 bereits wieder dem Ende zuneigt, bedankt sich das Heimathaus „Hollager Hof“ bei allen Mitgliedern, Förderern und Freunden für die erwiesene Treue und das gedeihliche Miteinander. Eine besinnliche Adventszeit, frohe Weihnachten, guten Rutsch und auf ein Neues im Jahr 2009 wünscht Ihnen der Vorstand des „Hollager Hofes“.

siehe auch NOZ vom 28.11.2008