“Ein vortrefflicher Mann und Lehrer”

Namensvetter der Egbersstraße in Hollage jod WALLENHORST. Die Egbersstraße im Ortsteil Hollage stellt eine wichtige Verbindung vom Dorfkern um Kirche, Schule und Gasthäuser zu den neueren Wohnsiedlungen im Norden her. Der Bedeutung der Straße angemessen ist die ihres Namensgebers: Bernhard Egbers war 49 Jahre Lehrer an der Katholischen Volksschule Hollage und darüber hinaus eine Persönlichkeit, die das öffentliche Leben im Dorf über Jahrzehnte geprägt hat. Er ist auch deshalb vielen Hollagern noch ein Begriff, weil er eine zahlreiche Nachkommenschaft hinterlassen hat, darunter auffällig viele Lehrerfamilien. Egbers wurde 1854 in Plantlünne bei Lingen geboren. Mit 16 Jahren kam er ans Bischöfliche Lehrerseminar in Osnabrück. Zwei Jahre später bestand er die Seminarabschlussprüfung und er hielt sofort darauf seine erste Anstellung als „Substitut” bei dem schon 75 Jahre alten Hollager Lehrer Heinrich Burlage. Der war mit 140 Schülern reichlich überfordert. 1875 starb Burlage, und Egbers rückte auf seine Stelle als Lehrer vor. Da die Schülerzahl weiter anstieg, wurde 1879 eine zweite Lehrerstelle genehmigt, an das „Schullokal” an der heutigen Hollager Straße (etwa am Platz der Erich-Kästner-Schule) angebaut und ein zweiter Klassenraum für die insgesamt 186 Schüler eingerichtet. Familienbande Egbers fasste auch auf privatem Gebiet recht schnell in Hollage Fuß. Er lernte die junge Luise Clausing kennen, Erbin des großen Vollerbenhofes Clausing. 1878 heirateten die beiden, er 24, sie 20 Jahre alt. Mit der Heirat wurde aus dem Schulmeister auch ein Hollager Hofbesitzer, wobei er den Beruf des Landwirts selbst nicht ausübte. Fünf Töchter gingen aus der Ehe hervor. Eine von ihnen ehelichte Heinrich Römermann (1899-1953), der von 1919 bis zu seinem Tod an der Hollager Schule unterrichtete.

Das Bild aus dem Familienarchiv Gerhard Kock zeigt dessen Großeltern Luise und Bernhard Egbers.

Eine weitere Tochter heiratete den aus Oesede-Dröper stammenden Gerhard Kock, der nach Egbers’ Pensionierung 1921 die Stelle des Hauptlehrers übernahm. Er war der Vater des heutigen Seniorchefs des Dentallabors Kock. Auch die anderen drei Töchter – man ahnt es bereits- folgten dem Muster und ehelichten Pädagogen: Wilhelm Wellmann, Werner Hülsmann und Georg Hülsmann. Aus der Enkelgeneration ist unter anderen Franz Grammann vielen Hollagern noch ein Begriff, weil er ein großer Förderer des Fußball-Nachwuchses und Urvater der Minikicker-Turniere war. Lehrerdynastie So spricht der Hollager Historiker Franz-Joseph Hawighorst von einer „Lehrerdynastie”, die Bernhard Egbers begründete und deren Nachkommen bis heute eng mit dem gesellschaftlichen Leben in Hollage verbunden seien. Egbers lebte, darauf weist Hawighorst in einem Aufsatz auch hin, nicht nur für Familie und Schule. 1872 übernahm er von Heinrich Burlage, seinem Vorgänger im Amt des Lehrers, auch den Dirigentenstab des Männergesangvereins, den er 50 Jahre führte. Und während Schwiegersohn Gerhard Kock 1921 die Leitung der Schule übernahm, beerbt Schwiegersohn Heinrich Römermann ihn 1922 als Dirigent des MGV. Nicht wegzudenken war Bernhard Egbers auch aus dem kirchlichen Leben in Hollage. Als Vorsitzender der Kommission für den Kirchenbau trieb er die Gründung einer eigenen Kirchengemeinde und den Bau der Josefskirche wesentlich voran. Dafür wurde ihm 1928 der päpstliche Orden „Pro Ecclesia et Pontiflce” verliehen. Bernhard Egbers starb am 20. April 1938. Quelle: NOZ vom 16.5.2014