Pottbäckers Band vereint Hüggel und Tennessee

Kaminmusik mit Elvis-Groove im Heimathaus Hollager Hof

fram WALLENHORST
Wer Plattdeutsch verstand, hatte doppelt Spaß: Die Pottbäckers Band im Hollager Hof hat die perfekte Klammer zwischen frecher Hasberger Schützenfest-Folklore und amerikanischen Country-Ikonen gesetzt.

Der Titel „Kaminmusik” bereitete kaum darauf vor, was in dem ehrwürdigen Heimathaus auf die knapp 100 Zuschauer zurollte. Lauschige Quetsche wechselte mit Banjo-Wahnsinn: groovender Bluegrass, knackige Folksongs, Rock ‘n’ Roll mit Hüftschwung-Appeal, selbst der deutsche Schlager schüttelte Staub ab, wenn der Hasberger Pottbäcker Bernd Niehenke und seine Musik-Komplizen in knalligen Holzfäller-Hemden zu Werke gingen. Es läuft – if s rollin’ – beim Pottbäcker an Gitarre  und Akkordeon, beim Gitarristen Andreas Wellmann, dem einzigen „Einheimischen” aus Hollage. Bei Martin Lutze aus Hasbergen-Gaste an E-Gitarre, Mandoline und Mundharmonika, der Solos satt kredenzte. Beim Osnabrücker Matthias Malcher an Mikro und Five-String-Banjo, der sauber Tempo machte, und beim Hagener Klaus Gausmann mit Kontrabass und Lagerfeuer- Stimme.

Das Hollager Platt, verriet Josef Pott, Vorsitzender des Vereins Heimathaus „Hollager Hof” von 1656, unter scheide sich kaum vom Hasberger Platt – höchste Zeit also für dieses grandiose Gastspiel. Zum Schluss wurde er selbst noch in den Fünfer ein gereiht, um mitzusingen. Allein der Name verpflichtete  eben. 300 Jahre sei in diesem Haus Plattdeutsch gesprochen worden. Fünf Jahre lang war es aus einem Stapel eingelagerter Balken wieder aufgebaut worden, „nun will der Verein mit Kunst und Kultur etwas zurückgeben”. Mit der Pottbäckers Band hat er einen Volltreffer gelandet, auch bei jüngeren Generationen.

Dass es rund um den Hasberger Hüggel, wo die Kaminmusik Familientradition am Pötte-Brennofen der Töpferei Niehenke ist, oft wild zuging, wurde schnell klar. Da liefen Hochzeiten aus dem Ruder, da tarnten einst pubertierende, jung gebliebene Meister an ihren Instrumente ihren Schützenfestbesuch als Zeltausflug an den Hüggel’schen Silbersee. Und verehrten statt Ruhe und Natur im Festzelt das legendäre Frank-Mierke-Sextett. Dessen Chef zwischen der Musik wohl die heimische Spezialität zu genießen wusste – den Wacholder-Schnaps. „Ute Flasken in dat Lief.”, heißt es im verträumten wie bissigen Wacholder-Lied, das als Hasberger Hymne auf der Zielgeraden Fahrt aufnimmt.

Vorher dreht sich viel um Frauen, auch die Mutter als einziger, mit der ein Mann wirklich klarkomme. Um „Liesettken”, um den „Danz mit de Dort”, um de „Kermesbruut”, aus der ja nichts Gutes werden könne. Musikalisch bewegt sich das durch fetzigen Walzer und Polka. „Rut up’t Land” heißt für die fünf Musiker auch raus in die amerikanische Weite. Da nimmt Gausmann den Faden auf. Schwärmt von den Sun Studios, wo sich Elvis Presley, Johnny Cash und Carl Perkins zu legendären Jam-Sessions trafen, fast wie am Töpferei-Kamin. Toll, wie im Hollager Hof Überhits wie „Ring of fire”, „That’ s allright, Mama” oder „Playhouse” bis zur letzten Note groovten.

Mindestens so melancholisch wie ein waschechter Cowboy-Sonnenuntergang: „Wenn Gertrud geit, isset wech”, neuester Herzschmerz aus Niehenkes Feder, aber genau deswegen alles andere als schmalzig, sondern trockenhumorig und in bester Brennofen-Singer-Songwriter-Manier. Bei John Denvers Klassiker „Country road” können auch die Nicht-Platt-Sprecher nochmals ordentlich mitgehen.

Klasse!

Quelle: NOZ vom 2.3.2016